Um sein Geld von einer professionellen Vermögensverwaltung mehren zu lassen, benötigt man Millionen. Das Start-up Liqid Technology bietet dies schon ab 100 000 Euro.

Immer mehr Start-ups ermöglichen es Nutzern, ihre Geldanlage digital mit Unterstützung von Computerprogrammen zu erledigen. Auch Jonas Tebbe, Paul Becker und Arne Zeisig wollten mit Owlhub den Bankberater durch Big-Data ersetzen. Bei der Suche nach Geldgebern trafen sie auf Christian Schneider-Sickert und Kyros Khadjavi, die unter anderem für Goldman Sachs, UBS und Berenberg gearbeitet hatten. Die früheren Bankmanager überlegten ebenfalls, wie man die Vermögensverwaltung an das Digitalzeitalter anpasst. Doch im Gegensatz zu Fintech-Start-ups wie Cashboard oder Vaamo hatten sie dabei nicht die Ottonormalanleger im Auge, sondern Vermögende, die mit der klassischen Verwaltung ihrer Anlagen unzufrieden sind.

Ihre Zielgruppe sind beispielsweise Unternehmer, die selbst schon ein Start-up erfolgreich verkauft haben. „Es gibt eine ganze Generation von digitalen Unternehmern, die sich fragen, warum man die Vermögensverwaltung nicht technisch zeitgemäßer und schicker lösen kann“, sagt Schneider-Sickert. Statt unübersichtlicher Depotauszüge im PDF-Format wollen sie ihnen ein modernes Online-Tool bieten.

Dafür haben die fünf nun gemeinsam das Start-up Liqid Technology gegründet. Zwei entscheidende Partner haben sie dafür bereits gewonnen: Zum einen die Berliner Start-up-Schmiede Project A, der das Team technologisch und finanziell unterstützt. Vor allem aber HQ Trust, dem Multi-Family-Office der der Familie Harald Quandt. Die Vermögensverwaltung entwickelt gemeinsam mit Liqid Portfoliostrategien. „Wir haben dadurch Zugriff auf institutionelle Fonds und andere Produkte, die Anlegern sonst nicht offen stehen“, sagt Schneider-Sickert. Zudem bekomme man durch HQ Trust deutlich bessere Konditionen. „Was ich für sehr wichtig halte ist, dass die Plattform nicht einfach etwas Bestehendes digitalisiert“, sagt Project A Geschäftsführer Florian Heinemann.

Während bisher ein Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe die Voraussetzung war, um das Know How von Family Offices wie HQ Trust zu nutzen, müssen Liqid-Kunden „nur“ 100 000 Euro mitbringen. Derzeit wird die Plattform bereits mit verschiedenen Pilotkunden getestet, im Frühjahr 2016 soll sie dann geöffnet werden.

 

Steckbrief
Liqid Technology
Sitz: Berlin
Gründer: Kyros Khadjavi, Arne Zeising, Jonas Tebbe, Christian Schneider-Sickert, Paul Becker (von links)
Status: derzeit Test mit Pilotkunden, Start im Frühjahr 2016
Finanzierung: mittlerer einstelliger Millionenbetrag von Project A Ventures