Der Startup-Verband und das Business Angels Netzwerk Deutschland wollen die Vorbereitung von Finanzierungsrunden vereinfachen – für Gründer und Geldgeber.

Der Weg zur Finanzierung ist steinig: Gründer müssen nicht nur Investoren von sich und ihrer Geschäftsidee überzeugen – sondern dann auch einen Vertrag aushandeln, in dem die Bedingungen der Kapitalspritze rechtssicher geregelt sind. Das ist nicht nur zeitintensiv, sondern in der Regel auch mit hohen Kosten für Anwälte und Berater verbunden. Diese Hürden ein Stück weit abbauen will nun das neu gegründete German Standards Setting Institute (GESSI) – und stellt anpassbare Standardverträge in deutscher und englischer Sprache kostenlos zum Download bereit.

Das GESSI ist eine gemeinsame Gesellschaft des Bundesverbands Deutsche Start-ups (Startup-Verband) und des Business Angels Netzwerks Deutschland (BAND). „Durch die Kooperation beider Verbände, erarbeiten Vertreter beider Vertragsparteien – also Startups und Investoren – die Dokumente gemeinsam, sodass ein fairer Interessenausgleich zustande kommt“, sagt Sascha Schubert, stellvertretender Vorsitzender des Startup-Verbands.

Der erste Schwung an Vorlagen ist bereits auf der Homepage des GESSI zu finden. Sie drehen sich um sogenannte Wandeldarlehen, die verstärkt in Frühphasenfinanzierungen genutzt werden. Die Grundidee: Der Investor vergibt einen festverzinslichen Kredit an das Start-up – und hat die Möglichkeit, das Darlehen später in Unternehmensanteile zu wandeln. So beliebt das Konstrukt ist, so viele Fallstricke hält es bereit. Beim GESSI findet man nun Verwendungshinweise, Vertragsvorlagen und ein Berechnungstool in Excel. Bald folgen sollen Dokumente zum „Term Sheet“, das einen Beteiligungs- und Finanzierungsvertrag vorbereit.

Fachanwälte leiten Arbeitsgruppen

Wie umfangreich die Sammlung wird, ist noch offen, erklärt BAND-Vorstand Roland Kirchhoff auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Man wolle zunächst sehen, wie das Angebot angenommen werde. Zur Erfolgskontrolle sei aktuell auch zunächst eine Registrierung auf der GESSI-Homepage nötig. „Die Arbeit an den Standard-Dokumenten kostet Arbeitskraft und Geld – nicht nur bei den beiden Verbänden, sondern auch den ehrenamtlichen Arbeitsgruppenmitgliedern“, so Kirchhoff.

Federführend in den Arbeitsgruppen sind Fachanwälte. Von ihnen fremdelten zunächst einige mit dem Plan, Vorlagen kostenlos zur Verfügung zu stellen, berichtet Kirchhoff. Er betont nun: „Die Standarddokumente sollen anwaltliche Beratung nicht ersetzen, sondern ein Verständnis für die Interessen der Gegenseite wecken und das Grundwissen um die Vertragsstrukturen verbessern.“ Nur wenn die Inhalte kostenlos seien, bestehe die Chance, tatsächlich Standards zu setzen. Bei der Weiterentwicklung sollen künftig auch Rückmeldungen der Nutzer einfließen.

Alleine bei der Bereitstellung von Dokumenten soll es indes nicht bleiben. GESSI plane zudem Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, so Kirchhoff. Zum Auftakt werde es eine Kick-off Veranstaltung am 23.08. in Düsseldorf sowie Roadshows in Berlin, München, Frankfurt und Stuttgart geben.