Das Start-up Eviscan aus Koblenz will die Arbeit der Forensik unterstützen – mit Hilfe moderner Technologien.

Wir kennen es aus dem Tatort. Wenn auf einem Gegenstand Spuren vermutet werden, dann muss er erst aufwendig mit verschiedenen Chemikalien präpariert werden, um die Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Ist man dabei nicht vorsichtig genug, sind sie verwischt.

Normann Kreuter wollte das ändern. Er gründete im Jahr 2012 das Start-up German eForensics, die GmbH hinter der Marke Eviscan. Diese ist auf Dienstleistungen und elektronische Forensikprodukte spezialisiert. Ihr Herzstück ist die gleichnamige berührungslose Fingerspurensicherung.

Die Methode bedarf keiner Vorbehandlung. Eviscan ist ein sehr scharfer Scanner, der Gegenstände hochauflösend fotografiert und aufnimmt. Beweismittel können so dank Detektoren und Bildbearbeitungs-Algorithmen in Echtzeit angesehen werden. Durch die berührungslosen Untersuchungen wird die Gefahr minimiert, Spuren zu verwischen. Die meisten Fingerabdrücke sind für das Auge unsichtbar. Daher ist es für das Start-up ebenso wichtig, dass auch diese mit der Hilfe ihres Verfahrens erkannt werden können.

Zu den aktuellen und potenziellen Kunden zählen Polizeibehörden, Geheimdienste, das Militär und Versicherungen. „Überall dort, wo Forensik betrieben wird, kann Eviscan für die Sicherung von Tatortspuren eingesetzt werden“, sagt Kreuter.

Das Start-up wurde unter anderem mit dem ersten Preis beim Gründerwettbewerb IKT innovativ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet. Den Unternehmenssitz hat das junge Unternehmen samt 20-köpfigem Team in Koblenz. Sein Name „Eviscan“ ist die Kurzform für „evidence scanner“, die englische Bezeichnung des Beweismittelscanners.

Der Markt der Tatortforensik ist eine Nische. Bis heute hat das Unternehmen einen Umsatz im einstelligen Millionenbereich erwirtschaftet. Gewinn hat es noch keinen gemacht.

Der Eviscan wird nach Kundenwunsch angepasst. Der Kaufpreis liegt im sechsstelligen Bereich, mindestens werden 250.000 Euro fällig. Bisher wurden laut Kreuter „etwa eine Hand voll Geräte ausgeliefert“.

Für die Finanzierung ist er anfangs mit seinem eigenen Geld aufgekommen. Kurze Zeit später sind private und öffentliche Investoren eingestiegen. Eine der größten ist die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz. Insgesamt sind etwa drei Millionen Euro ins Unternehmen geflossen. Fast 40 Prozent seiner GmbH gehören dem Gründer nach der letzten Finanzierungsrunde noch selbst.