Es gibt nicht viele Wellness-Start-ups vor allem nicht solche, die Day Spa anbieten. Wie Thomas Kanitz mit McWellness die Branche aufmischen will.

Von Laura Waßermann

Es zischt und brodelt, jemand lässt Wasser laufen. Eine Tür geht auf, es zischt wieder. Es riecht nach Eukalyptus. Oder ist es Minze? Eine junge Frau läuft zwischen den Suiten und dem Empfangstresen hin und her, immer mit einem Tablett in der Hand. Einmal stehen zwei Gläser Orangensaft darauf, ein anderes Mal ein Teller mit Obst.

In Dortmund braucht man dafür nicht mehr ein Hotel oder ein Luxus-Fitnessstudio, bei denen das Wellnessangebot manchmal inklusive ist: Auf 450 Quadratmetern kann man bei McWellness in sieben separaten Suiten entspannen. Es ist 11 Uhr. Eine Kundin meldet sich an, sie dürfte zwischen 45 und 55 Jahre alt sein. Nach einem kurzen Plausch mit der Orangensaft-Obst-Dame geht sie wie selbstverständlich mit einem Handtuch in Suite 4. Tür auf, es brodelt, Tür zu. Sie macht Wellness an diesem Tag – mitten in der Woche, mitten im Vormittag. Für eine Stunde. Ein Saunagang mit Eukalyptus-Aufguss, abkühlen unter der Erlebnisdusche und im Whirlpool entspannen.

Gibt es eine Marktlücke?

Das Start-up will eine neue Art von Erholung etablieren. Der Slogan lautet „Einfach. Günstig. Entspannen.“ Ausgedacht hat sich das Thomas Kanitz. Zusammen mit seinem Bruder und seinem Vater hat er McWellness 2012 gegründet und im Herbst 2014 die erste Filiale im Dortmunder Süden eröffnet.

Ob die Gesellschaft für ein Geschäft wie dieses bereit ist? Er scheint es zu hoffen. Laut der Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMa) von 2015 finden rund 80 Prozent der Deutschen (ab 14 Jahren) nie Zeit für Wellness, nur drei Prozent gehen mehrmals im Monat in ein Wellnessstudio, wozu aber auch Yoga-Studios zählen. Zum Vergleich: Fast 30 Prozent der Menschen gehen mehrmals in der Woche spazieren und jeder Zweite bekommt Besuch von Freunden oder stattet ihnen einen Besuch ab.

Eine andere Umfrage zeigt, dass im vergangenen Jahr fast 28 Millionen Menschen in Deutschland (ab 14 Jahren) Interesse an Wellness-Angeboten hatten. Rund 42 Millionen Menschen hingegen waren kaum oder gar nicht an Entspannung dieser Art interessiert. Thomas Kanitz erklärt sich das anhand des fehlenden Angebots. Der Wellnessmarkt sei abhängig von Hotels, Thermalbädern und Fitnesstudios. „Jeder dieser Teilmärkte besitzt Optimierungspotenzial, die zusammen eine Marktlücke ergeben“, sagt der 27-Jährige.

Diese Lücke will er mit McWellness gefunden haben. Laut eigenen Angaben ist das Wellnessstudio an den meisten Tagen bis zu 95 Prozent ausgebucht. Auf einen Termin am Wochenende müsse man vier bis sechs Wochen warten, unter der Woche abends bis zu zwei Wochen. Will man zwischen Montag- und Freitagmorgens kommen, müsse man drei bis vier Tage vorausplanen.

Einen Durchschnittskunden gäbe es nicht. Die meisten seien Paare oder Mutter-Tochter-Gespanne, fast alle Buchungen werden laut Kanitz für zwei Personen vorgenommen. Pro Tag seien es momentan 35 Buchungen. Und tatsächlich: Will man Mitte der Woche einen einstündigen Wellnessaufenthalt am darauffolgenden Wochenende buchen, ginge das noch an dem Sonntagabend zwischen 22.30 Uhr und 23.15 Uhr. Soll die Entspannung zwei Stunden oder länger dauern, gibt es laut Webseite erst einen Termin Ende Mai.

Wahanda übernahm vielversprechende Start-ups

Direkte Konkurrenz gibt es wenig. In NRW gibt es weiteree Day Spa-Angebote wie Spa Society und Wellneuss. In München kann man kurzfristig bei Sayuri Day Spa wellnessen. Der aktive Wellnessmarkt in Deutschland wird jedoch vor allem von etablierten Hotelketten gesteuert. In der Start-up-Branche gibt es zudem Portale, auf denen man Wellness.Angebote suchen, vergleichen und buchen kann. AirBnB für Wellness quasi. Johannes Klose, Gründer von Somuchmore bezeichnet den Wellness-Bereich als „zerklüftet“. Durch Portale wie Somuchmore würden Kunden nicht mehr zu teuren Mitgliedschaften gezwungen.

Kurze Zeit sah es so aus, als würden die Vergleichsportale einen vielversprechender Markt aufmachen – bis beinahe alle jungen Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell von dem britischen Portal Wahanda übernommen wurden: Wellmio, Salonmeister und Treatwell.

Deshalb will Thomas Kanitz expandieren. Noch in diesem Jahr soll mindestens eine Filiale von McWellness hinzukommen. Das Kapital dafür hat er schon. Nachdem er 2012 mit einem Startkapital von 25.000 Euro angefangen hat, beträgt dies mittlerweile 135.000 Euro. Finanziert hat Kanitz, der übrigens Internationales Management in Aachen und Oxford studiert hat, das mit eigenen Mitteln und mehreren Unternehmerkrediten unter anderem von KfW-, NRW- und Bürgschaftsbank. Für eine mögliche dritte Filiale verhandele Kanitz aktuell mit einem Business Angel aus dem Fitnessbereich.

Den Break Even hat das Start-up bereits im ersten Monat erreicht, sagt der Gründer. Aktuell belaufe sich der monatliche Umsatz auf rund 80.000 Euro. Im Februar 2015 hat McWellness noch mehr als 40.000 Euro Umsatz verzeichnet. Bei täglich rund 35 Buchungen und einem durchschnittlichen Preis von 60 Euro pro Aufenthalt ist der Betrag realistisch.

Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verbands hält den Wellnessmarkt für Start-ups durchaus geeignet. „Die deutsche Wellnessbranche braucht innovative Geschäftsideen. Der Wunsch nach Wellness durchdringt alle gesellschaftlichen Schichten.“ „Wellness für alle“ sei deshalb die entscheidende Grundüberlegung für neue Geschäftsmodelle. „Ich beurteile die Erfolgsaussichten absolut positiv, insbesondere dann, wenn jüngere Zielgruppen damit angesprochen werden“, sagt Hertel.

Der Psychologe mit Fokus auf Gesundheitswissenschaften hat mit Studenten der FH Düsseldorf ein ähnliches Konzept ausgearbeitet: „Future Spa“ geht um zukunftsfähige Konzepte für Spa-Einrichtungen, passend für die Vorlieben der Generation Y. Wichtige Attribute dabei seien unter anderem die Online-Buchung, eine technisch ausgereifte Infrastruktur, das Angebot der stundenweise Nutzung und Low Budget.

Vertrauen zu Kunden aufbauen

Für schwierig halte Hertel schnelles Wachstum und Wertsteigerung: „Mir sind in den letzten Jahren viele Unternehmensgründer mit guten Ideen begegnet, von denen kaum einer bahnbrechenden Erfolg hatte. Dies ist aber kein spezifisches Problem des Wellnessmarktes.“ Viele Unternehmensgründer hätten im Bereich Wellness selten die prototypische Start-up-Mentalität haben. „Es muss doch nicht jede Gründung auf Innovationsbasis die rasche Expansion zum Ziel haben.“

Thomas Kanitz von McWellness sieht darin nicht die größte Herausforderung für sein Start-up. „In unserem Geschäft spielen Hygiene und Gesundheit eine sehr wichtige Rolle“, sagt er zu dem Thema bisheriger Probleme. Weil die Düsen in den Whirlspools ergonomisch angeordnet sein sollten und wegen der Wasseraufbereitung, hat er sechs Monate auf die Abnahme vom Gesundheitsamt gewartet. Zudem gehe darum, Vertrauen zu den Kunden aufzubauen, was am Anfang nicht einfach gewesen sei. „Manche Leute haben nicht verstanden, was McWellness sein soll. Einer dachte sogar, wir seien ein FKK-Club.“ Er lacht kurz und schlägt sich dann mit einer Hand auf die Stirn. Mittlerweile riecht es wie auf einer Blumenwiese, vermutlich durch den Mix der Aufgüsse Rose und Maiglöckchen.