Dennoch lassen die vom Bundesfinanzministerium vorgestellten Pläne bislang noch reichlich Platz für Unklarheiten. So treten bislang von staatlicher Seite aufgelegte Venture Capital-Fonds bislang rein als Co-Investoren auf. Sie brauchen also für ihr Investment einen oder mehrere private Wagniskapitalgeber, die die gleiche Summe in das jeweilige Unternehmen investieren. Doch die im internationalen Vergleich noch recht junge deutsche Venture-Capital-Landschaft wird das kaum leisten können. So verwalteten laut dem Bundesverband Deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften die hiesigen Private Equity- und Venture Capital-Gesellschaften im Jahr 2015 Fondsmittel in Höhe von rund 39,06 Milliarden Euro. Der Löwenanteil davon entfiel auf die auf Mittelständler und Konzerne fokussierten Buyout-Häuser.

Wohin mit den Krediten?

Neben dem Eigenkapitalfonds soll wie schon erwähnt noch ein zweites, zehn Milliarden schweres Vehikel an den Start gehen, das vergünstigte Kredite vergibt. Für jeden vom „Tech Growth Fund“ investierten Euro soll es einen Euro auf Pump geben. Ziel ist es laut BFM, den Gründern die Möglichkeit zu geben mehr Unternehmensanteile behalten zu können. Lässt man die ungeklärte Frage, ob eine solche Handhabe mit dem EU-Recht vereinbar ist außen vor, bleibt auch hier noch weiterer Klärungsbedarf. So zum Beispiel: Wie lang laufen diese Kredite und ab wann müssen sie zurückgezahlt werden? Es liegt in der Natur von Start-ups in den ersten Jahren ihres Bestehens keine Gewinne zu machen. Aber wer keine Gewinne macht, kann auch keine Schulden abtragen – egal zu welch günstigen Konditionen er den Kredit bekommen hat. Auch die Frage nach der Gründerhaftung scheint bislang nicht geklärt.

Staatliche Investitionen können nur einen Teilaspekt darstellen

Ein Mehr an staatlichen Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten alleine ist daher sicherlich nicht der Königsweg. Wer unternehmerische Gründungskultur ernsthaft vorantreiben will, der muss auch in Deutschland für ein Klima sorgen, das weiteres Venture Capital anzieht.

Dies kann beispielsweise durch ein „Venture-Capital-Gesetz“ passieren, wie es der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) bereits seit einiger Zeit propagiert.

Zu begrüßen sind darüber hinaus aber auch alle anderen Initiativen und Maßnahmen, die den Standort Deutschland attraktiver für VC-Kapital machen. Denn nur wenn es gelingt, vor Ort ausreichendes Wagniskapital verfügbar zu machen, wird es dauerhaft möglich sein, auch künftige Hightech- und Biotech-Riesen im Land zu behalten.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der SvL Entrepreneurial Partners, einer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf hardwareorientierte Hightech-Unternehmen aus den Bereichen Advanced- & Industrial-Technologies. Als Business Angel investiert er zudem in den Sparten Life Science, Diagnostik und Medizin-Technik. Mehr über das Thema Startup-Finanzierung können Sie in seinem Buch Richtig dicke Fische angelnlesen.