Für junge Firmen mit mittlerem Kapitalbedarf ist es schwer an Geld zu kommen. Ihnen will der Staat nun unter die Arme greifen. Doch reicht das aus?

Von Sven von Loh

Nachdem das Bundesfinanzministerium in den vergangen drei Jahren immer wieder mit Start-up- und Venture-Capital-unfreundlichen Gedankenspielen negativ aufgefallen ist, scheint man nun eine Kehrtwende vollziehen zu wollen: Mit einem riesigen Wachstumsfonds. Doch die Fragen, die die bisher bekannten Pläne des BMF aufwerfen sind zahlreich und ob das wirklich der Königsweg zu einem vitalen Gründerstandort Deutschland ist, ist zumindest fraglich.

Deutsche Start-ups haben ein Problem: Sie kommen nur schwer an Wagniskapital. Ein Grund dafür ist, dass der Markt für Venture Capital hierzulande vergleichsweise klein ist und vielfach noch in den Kinderschuhen steckt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Rahmenbedingungen für Investitionen privater institutioneller Anleger nach wie vor nicht sonderlich attraktiv sind.

Besonders schwer tun sich dadurch oft junge Firmen mit einem mittleren Kapitalbedarf. Während sie einerseits meist bereits aus dem Raster für gängige, öffentlich gestützte Existenzgründer-Fonds fallen, sind sie andererseits noch zu „kleine Fische“, um für die großen, international agierenden Venture Capital-Gesellschaften in Frage zu kommen.

Weiterer Gründer-Fonds geplant

Eine Lücke, in die nun offenbar verstärkt der deutsche Staat springen möchte. Denn wie im Spätsommer bekannt wurde, bringt jetzt auch das Bundesfinanzministerium (BFM) einen eigenen Fonds für Gründer und Start-up-Unternehmen ins Spiel. Satte zehn Milliarden Euro soll der so genannte „Tech Growth Fund“ schwer sein. In gleicher Höhe sollen zudem vergünstigte Kredite zur Verfügung gestellt werden. Der neue Fonds toppt damit beispielsweise die bereits seitens des Wirtschaftsministeriums angekündigten Mittel noch einmal deutlich.

Um es ganz klar zu sagen: Jeder Ansatz, der weitere Finanzierungsoptionen für Gründer und junge Firmen mit sich bringt, ist zunächst einmal vorbehaltlos positiv zu sehen. Wenn Deutschland eine nachhaltige Start-up-Kultur aufbauen und fördern möchte, dann kann dies unter anderem nur dadurch funktionieren, dass kapitalintensive Gründungen die Chance haben hierzulande Investoren für ihr Unternehmen zu gewinnen. Ist dies nicht der Fall, schadet das der Attraktivität Deutschlands als Gründungsstandort und wir laufen Gefahr, dass vielversprechende Start-ups von Anfang an beispielsweise in die USA abwandern, wo sie deutlich bessere Venture Capital-Bedingungen vorfinden.