Für ein erfolgreiches Start-up braucht es keine 200 Kontakte. Manchmal reichen fünf aus – wenn es denn die richtigen sind. So sieht ein gutes Netzwerk aus.

Von Johanna Küppers

Kontakte knüpfen bedeutet vor allem Sicherheit, einfache Wege und Rat von denen, die dieselben Probleme bereits gemeistert haben. Ein Anfänger steht zu Beginn, vor der Herausforderung wenige Kontakte zu haben. Oft ist es eine Hürde auf Unbekannte zuzugehen, doch mit der Zeit stelle sich Übung ein und es gelinge immer leichter, sagt Professor Herbert Schubert, Soziologie der FH Köln in einem Interview. Der Spezialist auf den Forschungsgebieten Sozial, Raum und Management, sagt, dass Tagungen oder Messen eine gute Gelegenheit bieten. Vor allem aber sei es sinnvoll eine Person anzusprechen, die Zugänge zu dem Bereich eröffnen kann, in dem man tätig werden möchte. Egal wo. „Es ist dabei nicht wichtig, eine bestimmte „Zielperson“ kennenzulernen, sondern irgendjemanden, der sein eigenes Netzwerk für einen öffnet und einem so ein bislang verschlossenes gesellschaftliches Feld erschließt. Wir bezeichnen diese Personen als Gatekeeper. Jeder kann diese Funktion erfüllen und anderen Wegweiser in bestimmte Bereiche der Gesellschaft sein.“

Alexander Wolf hingegen, Netzwerkberater bei Iversity, hält nicht viel von Netzwerkmessen. Er lehnt das ständige und willkürliche Visitenkartenverteilen ab. „In einer Atmosphäre, in der jeder an sich denkt, können keine Kooperationen entstehen“, sagt er. Wichtiger sei es, das Vertrauen des Gegenübers zu gewinnen. Seine Strategie: Im Kleinen testen, was im Großen funktionieren muss. „Ich bitte Leute relativ schnell um einen Gefallen. Dadurch sehe ich, ob sie das Prinzip von Geben und Nehmen verstanden haben. So kann Vertrauen aufgebaut werden.“ Und das lieber gezielt und intensiv, als mit möglich vielen.

Eine Obergrenze legt auch die Wissenschaft fest. Der Anthropologe Robin Dunbar fand durch seine Forschung heraus, dass die endgültige Zahl bei 150 liegt. 150 Namen und Beziehungsgeflechte kann sich ein Mensch merken. Die Dunbar-Zahl bestätigt den Gedanken: Ein qualitatives Netzwerk ist sinnvoller als ein quantitatives.

Der erste Kontakt sollte ohne Angst geschehen. In einen Kreis von Unbekannten zu treten und sich wohlzufühlen, ist nicht einfach, bringt aber viel. Wem es gelingt, altruistisch zu denken, aufmerksam, aber nicht zu aufdringlich zu sein, hat fast gewonnen. „Einfach authentisch sein“, sagt Wolf, „schließlich sucht man nach Leuten, welche die gleichen Werte teilen.“