Schneller Start, große Ziele: In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Eric Weber vom Smart Infrastructure Hub in Leipzig über Wünsche und Pläne.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute berichtet Eric Weber vom Spinlab HHL, Sitz des Smart Infrastructure Hub Leipzig.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Es ist uns sehr gut gelungen die Hochschulen, Politik, Verwaltung und Unternehmen mitzunehmen. Das Interesse ist allseits hoch um das positive Momentum nun bestmöglich zu nutzen. Wir haben mit SpinLab Accelerator, VC-Fonds, Gründerzentrum und hochschulübergreifendem Forschungszentrum vier Hauptprojekte definiert und im Moment sieht es so aus, als könnten wir alle innerhalb der nächsten zwei Jahre umsetzen. Ehrlich gesagt hätte ich das persönlich gar nicht unbedingt erwartet, und hoffte zumindest drei von vier mittelfristig realisieren zu können. Umso besser für das gesamte Ökosystem, wenn nun diese vier Bausteine – und weitere – ineinandergreifend und schnell entstehen.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Natürlich sind die Ressourcen immer eingeschränkt und es könnte immer mehr sein. Gerade beim VC-Fonds merken wir die vergleichsweise geringe Zahl an Vermögenden und Unternehmenssitzen in der Region Mitteldeutschland. Trotzdem sind wir gerade dabei als erste in Ostdeutschland außerhalb Berlins einen privaten VC-Fonds zu etablieren, was leider länger gedauert hat als erhofft.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Leipzig ist der wichtigste Start-up-Hotspot außerhalb Berlins in Ostdeutschland. Aber auch in der gesamten Region gibt es viele Städte mit Gründerszenen – allen voran Dresden, aber auch Chemnitz, Jena und Magdeburg. Wir haben eine hohe Expertise mit vielen innovativen Großunternehmen wie VNG Gruppe, AOK PLUS oder Leipziger Gruppe und Start-ups sowie Forschung in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Gesundheit. Das hat das BMWi richtigerweise erkannt.

Und auf welchen Ort/welche Region blicken Sie neidisch?
Neid ist nicht angebracht, sondern eher Bewunderung. Ich finde es toll was in München rund um die UnternehmerTUM, mit welcher wir in mehreren Projekten zusammenarbeiten, entstanden ist. Dort traf Kapital auf Know-How, Motivation und Spirit. Die letztere Faktoren haben wir auch mehr als genug, nur die Kapitalbasis ist eine andere.

Regulierung: Welches neue Gesetz würde helfen? Oder welches bestehende Gesetz müsste weg (oder sich ändern)?
Da wir in den Bereichen Energie, Smart City und Gesundheit in stark regulierten und politisch beeinflussten Branchen unterwegs sind, würden wir uns über Testbeds bzw. Reallabore freuen, in denen man im begrenzten, kontrollierbaren Ausmaß neue Technologien testen kann. Beispielsweise Teststrecken für bemannte Drohnen, Elektro-Tretroller oder Telemedizin.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Das kommt immer auf das Management an. Grundsätzlich können sie Freund oder Feind sein. Manchmal sind sie leider auch freundliche Feinde. Fakt ist, dass sich viele Etablierte engagieren, gern auch in Frühphasen. Wünschen würde ich mir aber eher Exits an deutsche Unternehmen. Die shoppen leider zu stark im Ausland, obwohl Exits ein wichtiger Schmierstoff der Start-up-Szene sind.

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich (des Hubs)?
Die Infrastruktur wird immer intelligenter und vernetzter. Immer mehr Geräte und Objekte von Straßenbelägen bis hin zum Operationstisch werden in Zukunft smart. Das bietet viele Chancen bis hin zu einer selbstheilenden Infrastruktur und besserer medizinischer Versorgung. Es birgt aber auch Sicherheitsrisiken und erfordert einen hohen Kapitalbedarf.