Mit seiner neuen Tochtergesellschaft Next47 will Siemens disruptive Innovationen fördern. Davon gibt es bisher bei weitem nicht genug.

Von Matthias Kamp

Siegfried Russwurm spricht diplomatisch von „Handicaps“, die bei Siemens in der Vergangenheit guten Ideen für neue Technologien und Lösungen bisweilen im Wege gestanden hätten. Mitarbeiter der Abteilung Corporate Technology des Konzerns werden weitaus deutlicher als Technologievorstand Russwurm: „Die Controller haben jede gute Idee kaputtgerechnet“, klagt ein Siemens-Entwickler in München.

Damit soll nun Schluss sein. Zum 1. Oktober gründet der Konzern mit seinem Umsatz von bald 80 Milliarden Euro eine neue Tochtergesellschaft. next47 wird die rechtlich eigenständige Einheit heißen. Die 47 ist Anspielung auf das Jahr 1847, in dem Werner von Siemens das Unternehmen in Berlin gründete. Eine Milliarde Euro darf die Tochter mit Büros in Berkeley, München und Shanghai  während der ersten fünf Jahre ausgeben: für Investitionen in vielversprechende Start-ups oder für Kooperationen mit jungen Unternehmen. Darüber hinaus können Siemens-Mitarbeiter mit förderungswürdigen Ideen zu next47 hinüberwechseln.

Die erste Milliarde für die kommenden fünf Jahre, darauf legt Russwurm großen Wert, sollen auf das normale Forschungsbudget des 340000-Mitarbeiter-Konzerns draufgesattelt werden. next47 solle weitreichende Freiräume bekommen, sagt er, gleichzeitig aber die Vorteile eines großen Konzerns nutzen können. Russwurm, der die neue Einheit bis auf weiteres leiten wird, denkt unter anderem an das Know-how etwa zu Patentverfahren und –anmeldungen und an mögliche Kontakte zu Kunden, die Siemens für Start-ups herstellen könne.