2008 gründete Tim Keding das Start-up Shoepassion. Kürzlich fusionierte er es mit der 1879 gegründeten Schuhmanufaktur Heinrich Dinkelacker.

Von Kristin Schmidt

Ein großer Altersunterschied ist Gift für eine Beziehung? Tim Keding glaubt nicht an diese Binsenweisheit – zumindest nicht, wenn es ums Geschäft geht. Und deshalb macht er nun gemeinsame Sache mit einem Unternehmen, das 120 Jahre älter ist als sein eigenes.

Kedings Berliner Start-up Shoepassion vertreibt seine Kollektionen überwiegend im Internet. Deutschlands älteste Schuhmanufaktur Heinrich Dinkelacker ist ein Luxus‧anbieter, der seit Jahrzehnten international bekannt ist. Die Gemeinsamkeit: Die Schuhe sind rahmengenäht und handgefertigt. Und vor Kurzem wurde bekannt: Beide schließen sich zusammen.

Keding gründete Shoepassion 2008 mit seinem Kompagnon Henry Bökemeier. Er sieht in der Fusion Vorteile für beide Seiten. „Heinrich Dinkelacker profitiert von unserem Online-Know-how“, sagt der 34-Jährige. Im Gegenzug hofft Keding, dass der renommierte Name auf sein Start-up abfärbt und den Zugang zu neuen Märkten erleichtert. Dabei im Visier: Japan und die USA.

Bei der Gründung hatte er Shoepassion als reinen Onlineshop konzipiert. Keding, der selbst mehr als 100 Paar Schuhe besitzt, hatte während seines Auslandstudiums in den USA den Onlinehändler Zappos für sich entdeckt und dort erstmals Schuhe im Internet bestellt. Warum sollte das nicht auch in Deutschland funktionieren? Weil Keding obendrein von seinem eigenen Schuhgeschmack überzeugt war, beschloss er, eigene Schuhe in Spanien herstellen zu lassen. Hochwertig, aber dank Onlinevertrieb erschwinglich.

2016 setzt Shoepassion zehn Millionen Euro um, profitabel ist das Start-up eigenen Angaben zufolge seit 2011. Und gemeinsam mit Heinrich Dinkelacker sollen die Umsätze weiter steigen. Bis 2019 peilen Keding und sein Team einen Umsatz von 25 Millionen Euro an. Dazu dürften auch die stationären Läden beitragen, die seit 2013 den Onlinehandel ergänzen. Das sechsstellige Startkapital kam einst aus ‧Kedings eigener Tasche sowie von Freunden und Verwandten. Investoren lehnt er bis heute ab. „Knappe Finanzmitteln waren natürlich immer eine Wachstumsbremse“, sagt er, „dafür mussten wir nie Anteile an Fremde abgeben.“