Fünf Millionen Dollar sammelt die Softwareplattform ein. Das Geld stammt auch von prominenten Gründern deutscher Start-ups – der hiesige Markt rückt bald in den Fokus.

Friseursalons, Massagestudios, Fitnesstrainer: An all diese Unternehmungen richtet sich das in Dubai gegründete Software-as-a-Service-Start-up Shedul. Jetzt kann die Buchungsplattform den Abschluss einer Finanzierungsrunde bekanntgeben: Mehrere Investoren beteiligen sich mit fünf Millionen Dollar (umgerechnet 4,3 Millionen Euro) an dem 2015 gegründeten Unternehmen.

Der überwiegende Teil des Geldes stammt dabei aus Deutschland: Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom in Berlin ansässigen Risikokapitalgeber Target Global. Daneben sind jedoch auch zwei prominente Köpfe der Berliner Gründerszene mit ihrem privaten Vermögen dabei: Sowohl der Gründer und Vorstandschef des Essens-Lieferdienstes Delivery Hero, Niklas Östberg, als auch der Mitgründer der Gebrauchtwagenplattform Auto 1, Hakan K, beteiligen sich an Shedul. Komplettiert wird die aktuelle Runde duch den US-Investor FJ Labs aus New York.

Umgekehrt schielen auch die Shedul-Gründer durchaus interessiert nach Deutschland: „Wir sehen riesige ungenutzte Chancen auf dem deutschen Markt, denn es gibt noch keinen dominierenden Player im Beauty- und Wellness-Bereich“, sagt Mitgründer William Zeqiri gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Er beobachtet bei den bisherigen Nutzern aus Deutschland steigen stark steigende Umsätze pro Transaktion. Gleichzeitig gebe es eine große Nachfrage nach einer deutschsprachigen Version der Plattform – die soll im vierten Quartal des Jahres auch kommen.

Parallel zur aktuell verkündeten Investition erweitert Shedul auch sein Geschäftsmodell. Die grundlegende Softwarelösung ist bislang kostenfrei, Geld verdienen will das Unternehmen über Kommissionen, die es mit dem neuen Portal Fresha verdient. Dort können Endkunden direkt die Angebote von Friseur- oder Kosmetiksalons buchen. Mit seinem Software-Angebot ist Shedul nach eigenen Angaben bislang in 120 Ländern aktiv, aber vor allem in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien erfolgreich.

Boom der Buchungsplattformen

Start-ups, die mit spezialisierter Software den Buchungs- und Organisationsprozess bestimmter Branchen übernehmen wollen, sind zahlreich vertreten. Für Aufsehen sorgte zuletzt etwa die französische Arztbuchungsplattform Doctolib, die nach einer achtstelligen Finanzierung einen bedeutenden Konkurrenten übernehmen konnte. Im Freizeitbereich ist in Deutschland beispielsweise Bookingkit unterwegs, mit Fokus auf Fitness- und Yogastudios arbeitet das Kölner Start-up Fitogram.

Sie alle eint die selben Chancen und Schwierigkeiten: Gelingt es, zur Standard-Anwendungen in dem anvisierten Markt zu werden, locken lukrative Skalen-Effekte. Zudem gewinnen die Start-ups über die von ihnen verwalteten Daten mehr Informationen über zusätzliche Angebote, die man den Nutzern wiederum als Extraleistung verkaufen kann – Shedul will etwa eine Preis- und Verfügbarkeitsanzeige entwickeln, die auf den bisherigen Buchungen des Studiokunden und der Auslastung der Studios basiert. Die Herausforderung: Die Akquise von Neukunden in den oft sehr stark fragmentierten Märkten mit zahlreichen kleinen Unternehmen und Studios ist zeitaufwändig und kostspielig.