Sie sind interessiert, kaufkräftig – und sie werden immer mehr: Senioren sind eine spannende Zielgruppe für Start-ups.

Früher war man mit 70 Jahren alt. Als Rentner saß man zu Hause, trug Kittelschürze und Pullunder, krämmerte ein bisschen im Garten und wartete den Rest der Woche auf den Besuch der Lieben zum sonntäglichen Braten. Über diese Klischees können die Senioren von heute nur noch schmunzeln.

Nicht umsonst tragen sie klangvolle Namen wie Best Ager oder Golden Oldies. Sie sind aktiv, sie haben Geld und sie wollen etwas erleben. Sie reisen – mit Hilfe spezieller Reisebüros für Senioren – sie shoppen – eigens auf sie zugeschnittene Produkte – und wenn die Enkel zu Weihnachten einen mp3-Player bekommen, wollen Oma und Opa natürlich auch einen haben.

Die Werbebranche hat Senioren dementsprechend schon lange als lohnenswerte Zielgruppe erkannt und nun ziehen auch die Start-ups nach. Ihr Ziel: Das Leben der Best Ager zu erleichtern. In Dresden ist man bereits eifrig dabei. Dort befindet sich der Sitz der Firma Exelonix, die mit Asina ein Tablet speziell für ältere Leute entwickelt hat, das simpler in den Nutzung ist als ein gewöhnliches Tablet, aber dennoch viele ausgereifte technische Möglichkeiten bietet. Denn die verlangen auch ältere Menschen, wie Geschäftsführer Matthias Stege und seine Mitgründer in Testphasen mit Senioren beobachtet haben.

Asina vereint den Willen der Senioren am modernen Leben teilzunehmen und die Notwendigkeit diesen Willen ihrem Alter und damit ihren Fähigkeiten und eventuellen Problemen anzupassen. Darum bietet das Tablet nicht nur Zugang zum Internet und die Möglichkeit per Skype mit Kindern und Enkeln zu telefonieren oder mit ihnen Fotos auszutauschen, sondern dient auch als Gedächtnisstütze und Sicherheitsberater.

Sobald der Besitzer sich länger nicht bewegt, schaltet sich das Warnsystem an, Vitalwerte wie der Blutdruck werden direkt vom Blutdruckmessgerät per Bluetooth auf dem Tablet gespeichert und eine Erinnerungsfunktion stellt die regelmäßige Einnahmevon Arzneimitteln sicher. Das Tablet ist außerdem an eine Cloud angeschlossen, so dass die Angehörigen der Besitzer auch aus der Ferne darauf zugreifen und die Senioren bei der Nutzung unterstützen können.

Ein „Rundum sorglos Paket“ also und zwar eines, das Zukunft hat. Dieser Überzeugung sind zumindest die Investoren. Die steckten bereitwillig Millionensummen in die Entwicklung: Die Anschubfinanzierung von 500.000 Euro erhielt Exelonix vom High-Tech Gründerfonds, in einer zweiten Runde konnte Geld von Privatinvestoren eingeworben werden. Nun steht die dritte Runde an. „Bisher verkaufen wir kleine Zahlen der Tablets über unseren Webshop“, erzählt Matthias Stege, Geschäftsführer von Exelonix. Momentan stehen er und die anderen Gründer in Verhandlungen mit Medienkonzernen, Mobilfunkanbietern, Wohlfahrtverbänden und den Betreibern von Seniorenwohnanlagen, um das Verbreitungsgebiet zu vergrößern.