Box at Work, Boxidoo: Nie mehr lästige Pappkartons in den sechsten Stock tragen. Self Storage ist die Devise. Ob sich dieses Geschäftsmodell rentieren kann.

Von Laura Waßermann

Es war ein stressiger Tag für Gerrit Reinders und sein Team, als sie im Mai 2015 mehr als 270 Kisten an einem Tag einlagern sollten. Berlins Straßen waren voll, überall gab es Stau. Ausgerechnet dann passierte es: Der Transporter hatte einen Unfall. Also musste das Team von Box at Work die Kisten selbst abholen und ins Lager kutschieren – auch aus dem sechsten Stock, Altbau.

Was sich nach einem Loriot-Sketch anhört, war an diesem Tag ganz normaler Wahnsinn im Start-up-Leben von Gerrit Reinders. Der Niederländer war Wirtschaftsprüfer bei Deloitte, hat in Rotterdam, Amsterdam und Paris gelebt. Jedes Mal musste er neue Umzugskisten aus Pappkarton kaufen. „Diese Dinger gehen schneller kaputt, als man umgezogen ist“, sagt er mit charmant niederländischem Akzent.

Billiger als ein Umzugsunternehmen

Aus diesem Grund hat Reinders vor zwei Jahren Box at Work gegründet, ein Unternehmen in der Self-Storage-Branche. Startkapital: eine Million Euro. Das Geschäftsmodell ist schnell erklärt: Der Kunde mietet die Boxen von Box at Work, um damit umzuziehen anstatt die schnell unbrauchbaren Pappkartons zu kaufen. Anschließend kann er diese Boxen oder eigene Kartons von Box at Work für unbestimmte Zeit einlagern lassen. Self Storage eben.

Braucht man 15 Umzugskisten, kosten diese für zwei Wochen 22,35 Euro. Ein mittleres Umzugspaket für eine Drei-Zimmer-Wohnung, inklusive 60 Boxen, drei Packdecken, ein Kilogramm Packpapier, einer Luftpolsterfolie (ein Meter mal zehn Meter) und einer Sackkarre kosten für drei Wochen 149 Euro. Das ist prinzipiell günstiger als ein Umzugsunternehmen damit zu beauftragen oder sich die Utensilien selbst anzuschaffen.

Dass der Bedarf an materiellen Umzugshelfern da ist, zeigt die Umzugsstudie 2014. Ihr zufolge ziehen jährlich mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland um, vor allem die 18 bis 29-Jährigen sind betroffen. Gründe für einen Umzug waren im vergangenen Jahr vor allem eine zu hohe Miete, Platzmangel oder ein schlechter Zustand der Wohnung. Laut der Immobilienplattform Immoscout 24 fand 2010 fast jeder Umzug in Eigenregie statt.

Es ist also kein Wunder, dass nicht nur Box at Work Self Storage anbietet. Auch Boxando, Feder-Box und Yubs sind unter anderem auf dem Markt als „Online-Anbieter“ vertreten. Hinzu kommen die etablierten Unternehmen wie MyPlace, Lagerbox, Home Box, Mainlager oder meinlager24.de. Einige unter diesen Anbietern sind sogar im Verband deutscher Self Storage Unternehmen.

Self Storage im Trend?

Ursprünglich kommt die Idee der Einlagerung seines Hab und Guts aus den USA. Wenn die US-Soldaten für einen Auslandseinsatz eingezogen wurden und noch keine Familie oder keinen Platz für ihre Kleidung und Möbel hatten, mieteten sie Lagerfläche dafür an. In Europa beziehungsweise Deutschland kam dieser Trend erst in den 90er-Jahren an. Vor allem in den Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München wurde die Wohnfläche langsam rar. Also musste man sein Zeug irgendwo anders lagern.

Heutzutage ist es völlig normal, mehrere Kisten entweder im eigenen Keller, in dem von Freunden oder Eltern oder eben in einem fremdem Lager zu verstauen. Vor allem für junge Menschen, die nur einen begrenzten Platz zu Verfügung haben, weil sie in einer WG wohnen oder für solche, die viel unterwegs sind, ist das praktisch.

Das hat sich auch Michael Dopfer gedacht, als er im Dezember 2015 das Berliner Start-up Boxidoo gegründet hat – mit erst 18 Jahren. Mittlerweile ist er 19 und sieht den Self Storage Markt wie gemacht für Gründungen, da der europäische Marktführer Shurgard, ursprünglich aus Washington und seit 2003 in Deutschland vertreten, einen Marktanteil von 8,5 Prozent habe.

Der Unterschied zwischen den traditionellen Self Storage Unternehmen und Firmen wie Boxidoo ist vor allem, dass Shurgard beispielsweise Lagerfläche in Quadratmetern vermietet. Das Modell der Start-ups geht hingegen in die Richtung, Lagerfläche nach Boxen/Kisten/Möbel zu vermieten. Das bietet mehr Flexibilität für den Kunden. Zumal Boxidoo laut eigenen Angaben Überkapazitäten in Logistikzentren für seine Lagerungen nutzt anstatt große Hallen anmieten zu müssen. Dies ermögliche günstigere Preise.

Box at Work mietet eigene Lagerräume an, was Gerrit Reinders vor allem mit dem Thema Sicherheit begründet. Die Boxen werden entweder mit einem Schloss oder Kabelbändern versehen und die Lagerstandorte dauerhaft überwacht. Eine Box habe er noch nie verloren. „Das darf nicht passieren“, sagt er, lacht und verzieht eine Miene. Darauf könnten sich seine aktuell rund 10 000 Kunden verlassen. Im August waren es noch rund 3200 Kunden.

Expansion in naher Zukunft

Das Start-up verfügt mittlerweile über einen Lagerraum von 100 000 Quadratmetern, der Umsatz soll in diesem Jahr mindestens fünf Millionen Euro betragen. Innerhalb des vergangenen halben Jahres hat Box at Work seine Standorte auf sieben deutsche Großstädte ausgeweitet und arbeitet mit Franchisepartnern zusammen.

Warum Reinders in Berlin gegründet hat? „Die Berliner sind gute Testpersonen, was neue Geschäftsmodelle angeht.“ Zudem habe er sowieso vorgehabt, in Deutschland zu gründen – wegen des guten Start-ups-Systems, der Skalierbarkeit von alles und jedem und der stabilen Wirtschaft hierzulande.

Sein Traum ist es, auch in Metropolen wie New York, London, Hongkong und Tokio mit seiner Idee Erfolg zu haben. Dafür hat Box at Work in einer Series-A-Finanzierungsrunde 5,5 Millionen Euro eingesammelt. Damit plant Reinders jetzt den Schritt ins Mutterland des Self Storage: “Wir wollen jetzt in die USA gehen“.