Christoph Kind und Thomas Ott haben ein Unternehmen gegründet, das Menschen hilft, ihre Gegenstände wie Schlüssel, Kameras oder Handys bei Verlust wieder zu bekommen. Von heute an kann jeder in das Startup namens BringMeBack investieren. Im Interview erklären die Gründer, was sie sich vom Crowdfunding versprechen

Crowdfunding liegt im Trend und ist erfolgreich: Weniger als vier Stunden brauchte das Unternehmen SugarShape kürzlich, um 100.000 Euro auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch einzusammeln. Am Ende beteiligten sich 180 Investoren an dem jungen Unternehmen. Heute startet auf Seedmatch eine neue Finanzierungsrunde: Die Gründer des Kölner Unternehmens BringMeBack wollen bis zu 100.000 Euro einsammeln, ab 250 Euro ist ein Einstieg möglich.

Das Konzept des Startups ist so vielversprechend, dass es in der aktuellen WirtschaftsWoche vorgestellt wird: Die Gründer verkaufen Marker mit einem Code, mit denen sich beliebige Gegenstände kennzeichnen lassen. Wer einen Gegenstand findet, muss den Code nur auf der Web-Seite des Startups eingeben – dann wird der Kontakt zum Besitzer hergestellt. So bekommt der den Gegenstand zurück und der Finder seinen Finderlohn. Heute wird sich zeigen, ob und wie schnell die Gründer mit dem Konzept Kapitalgeber finden.

Herr Ott, von heute an kann jeder über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch in Ihr Unternehmen investieren. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?
Ott: Wir verfolgen generell eine sehr offene Kommunikationskultur bei BringMeBack und lassen Kunden, Interessierte, etc. wie am Geschehen bei BringMeBack teilhaben – etwa über Facebook. Diese Kommunikationsphilosophie möchten wir mit Seedmatch weiterführen und erhoffen uns neben dem Kapital weiteren interessanten Input durch die Crowd.

Andere Startups haben über Seedmatch viel Geld eingesammelt, aber so auch viele Investoren an Bord geholt. Wie unabhängig können Sie in Zukunft noch entscheiden, wie Sie BringMeBack weiter entwickeln?
Ott: Wie schon erwähnt, sehen wir die Anzahl der Investoren als Chance. Bei der weiteren Führung von BringMeBack sind wir weitestgehend unabhängig. Gewisse Punkte sind festgelegt, so dass wir nicht ab morgen Gummistiefel produzieren. Aber mit BringMeBack-Markierung wären selbst die gar nicht so uninteressant.

Christoph Kind und Thomas Ott vom Kölner Startup BringMeBack (Pressefoto)

Wie funktionieren diese Markierungen und wie verdienen Sie damit Geld?
Ott: Wir verkaufen Marker in verschiedenen Varianten, mit denen sich Gegenstände kennzeichnen lassen – etwa Schlüsselanhänger oder Aufkleber. Mehr als 4000 Privatkunden tun dies bereits. Daneben bieten wir die Marker als White-Label-Lösung Unternehmen an. Dabei werden die Marker im Corporate Design der Unternehmen produziert und haben die Firmen haben die Möglichkeit ihre Marke dauerhaft im unmittelbaren Umfeld von Kunden, Interessenten, etc. zu platzieren. Als weiteres Erlösmodell wird der Lost & Found-Service Herstellern von Produkten wie Koffern, Bekleidung oder Taschen angeboten, die den Service während des Produktionsprozesses integrieren und als Produktmehrwert und weiteres Verkaufsargument ihren Kunden anbieten. Der Lost & Found-Service wird weiterhin von uns übernommen.

Wie sind Sie auf die Idee zu BringMeBack gekommen?
Ott: Nach dem Studium war uns klar, dass wir gründen wollen. Auf die Idee zu BringMeBack kamen wir, weil Christophs Freundin ihr Iphone verloren und nicht wieder bekommen hat. Wir haben uns gefragt: Wie können wir es schaffen, Eigentümer und Produkt einander zuzuordnen? Wir haben dann innerhalb von zwei Monaten die Plattform BringMeBack aufgebaut und viel positives Feedback bekommen.

„Die Zahl der Seedmatch-Investoren sehen wir nicht als Problem“

BringMeBack lebt zwar vom Verkauf der Marker, kann aber nur überleben, wenn die wirklich helfen, verlorene Produkte zurückzubringen. Warum sind Sie so sicher, dass das klappt?
Ott: Wir haben natürlich getestet, ob unser Konzept funktioniert. Dazu haben wir Handys und Schlüssel an verschiedenen Orten liegenlassen. Etwa 90 Prozent wurden gefunden und zurückgebracht. Im Februar hat die Fernsehsendung Galileo unser Angebot getestet, dabei wurden drei von vier Gegenständen zurück gebracht. Das hat für viel Publicity gesorgt und endgültig bewiesen: Das Konzept funktioniert!

Inzwischen sichern Marker von BringMeBack Gegenstände im Wert von mehr als 600.000 Euro. Wie bewähren sich Ihre Marker in der Praxis?
Ott: Unterm Strich werden mehr als 90 Prozent der Gegenstände zurückgebracht, die einen unserer Marker tragen. Handys zum Beispiel, selbst die neuesten Modelle. Kürzlich hat einer unserer Kunden seine Aktentasche verloren – zum Glück hatte er einen Marker dran und die Tasche fand sich schnell wieder. Auch Schlüssel sind schon öfter zurückgegeben worden – die sind für die Finder wertlos, können für die Verlierer aber sehr teuer werden.

Können die Finder in solchen Fällen einen hohen Finderlohn aushandeln?
Ott: Nein! Der Finderlohn kann im Vorhinein angegeben werden. Darüber kann nicht zwischen Finder und Eigentümer verhandelt werden, sonst würden wir Erpressern Tür und Tor öffnen. Wir werden daran auch nicht beteiligt, profitieren also auch nicht von einem höheren Finderlohn.

Sie expandieren bereits nach Österreich und in die Schweiz. Was tun Sie, wenn der nächste große Sprung ansteht – suchen Sie dann eher nach institutionellen Risikokapitalgebern und fürchten Sie, dass die Zahl der Seedmatch-Investoren dann zum Problem werden könnte?
Ott: Schnelles Wachstum bedarf Kapital. Den ersten Schritt haben wir jetzt mit Seedmatch eingeleitet. Wir legen uns bei der weiteren Finanzierungsart nicht fest. Die Zahl der Seedmtach-Investoren sehen wir nicht als Problem, da wir generell sehr offen kommunizieren und in diesem Fall weitere Kapitalgeber genauso zu uns passen müssen.

Herr Ott, vielen Dank für das Gespräch.



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