Wer gründet, muss damit rechnen, unterzugehen. Beim European Pirate Summit in Köln sprachen Unternehmer offen über ihre Pleiten, forderten mehr Akzeptanz fürs Scheitern und erklärten, wie Gründer sich nach einem Fehlschlag über Wasser halten können. So wie Frank Thelen, den eins seiner ersten Unternehmen fast ruiniert hätte

Scheitern ist ein Tabuthema – auch in der Gründerszene, in der Pleiten eigentlich zum Alltag gehören. Trotzdem verschweigen viele Unternehmer, wenn Finanzierungsrunden platzen, Mitarbeiter gehen oder sie ganz aufgeben müssen. Dass Misserfolge wichtige Lernerfahrungen sind, die einen Neustart erleichtern können, ist für Gründer wie Investoren oft zweitrangig.



“Mama, ich hab’ unser Haus verspielt”: Im Video-Interview mit dem Gründerraum spricht Frank Thelen darüber, wie er mit seiner eigenen Pleite umgegangen ist und weshalb Misserfolge Gründer weiterbringen


Aber vielleicht ändert sich diese Einstellung langsam: Im November findet in Berlin erstmals die „Failcon“ statt, die sich um unternehmerische Fehler und Misserfolge dreht – Motto: “Stop being afraid of failure and start embracing it.” Und auf dem European Pirate Summit, der Anfang dieser Woche in Köln stattfand, wurde den Pleiten regelrecht gehuldigt. Auf einem Podium boten Gründer ihre herbesten Rückschläge feil – Robert Fitzpatrick etwa. Der Gründer hat sein erstes Startup innerhalb von vier Jahren versenkt und schwärmt heute von den Lektionen, die ihn die Pleite gelehrt hat. Wer schon mal ein Startup ruiniert hat, wollte er von den Zuhörern wissen – knapp 20 meldeten sich und ernteten ein piratiges “Arrrr” als Anerkennung.

“Geh’ niemals unter null.”

Auch Frank Thelen kann in solchen Situationen aufzeigen. Thelen ist Seriengründer, hat vor einigen Jahren einen Online-Fotoservice an Fuji verkauft, hat in erfolgreiche Startups wie kaufda und mytaxi investiert und ist aktuell CEO des Bonner Startups doo. Auf der Plattform des Unternehmens können Kunden via Smartphone oder Tablet-PC Rechnungen und Verträge online speichern, analysieren lassen und leicht wiederfinden; im vergangenen Jahr sammelte doo zehn Millionen Euro Startkapital, in Kürze soll es richtig losgehen.

All das klingt beeindruckend und so, als habe Thelen ein relativ sorgenfreies Leben. Aber diesem Erfolg gingen mehrere Fehlschläge voraus: „Wenn man sich erfolgreiche Gründer anguckt, vergisst man oft, durch wie viel Mist die vorher gegangen sind“, sagt Thelen, „wer sich das bewusst macht, kann eigene Misserfolge leichter überwinden und daraus lernen.“

Er selbst ist das beste Beispiel: Thelen hat mit 18 sein erstes Unternehmen aufgebaut und wäre einige Jahre später fast in die Privatinsolvenz geschliddert, weil er sich verschuldete, um sein Unternehmen zu retten. „Wenn man eine Millionen Euro Miese hat, bringen die Zinsen einen fast um“, sagt Thelen. „Das war die härteste Zeit meines Lebens: Ich hatte immer wieder Nasenbluten, mein Körper machte verrückte Dinge, ich fuhr meinen BMW zu Schrott.“ Sein wichtigster Ratschlag an Gründer: „Geh’ niemals unter null.“

Wie man sein Unternehmen (nicht) ruiniert: Gründer Robert Fitzpatrick auf dem “Failboat” beim European Pirate Summit in Köln