Wir entscheiden nie nur rational – auch Gründer nicht. Im Interview erklärt BWL-Professor Christian Schade, was das speziell für Gründer bedeutet.

Christian Schade beschäftigt sich als Professor für Betriebswirtschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin mit Entscheidungen. Der Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Innovationsmanagement erklärt im Interview, warum wir nie nur rational entscheiden und was das für Gründer bedeutet.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Schade, Sie sagen unsere Entscheidungen sind nicht rein rational. Wieso?

Christian Schade: Unsere Entscheidungen bestehen aus vier Komponenten. Die erste ist Rationalität, wobei etwa Wahrscheinlichkeiten eine große Rolle spielen. Dazu kommen aber noch die Komponenten Emotion, Intuition und Heuristiken. Letzteres sind Daumenregeln, die wir, bewusst oder unbewusst, zum Lösen schwieriger Entscheidungen verwenden. Dies tun wir, da wir in solchen Entscheidungssituationen in der Regel keine komplexe Mathematik anwenden können, was Rationalität aber erfordern würde. Sportler machen das zum Beispiel, wie Gerd Gigerenzer vom Berliner MaxPlanckInstitut für Bildungsforschung einmal erklärt hat, wenn sie Bälle fangen. Sie bewegen sich so, dass sie einen konstanten Winkel zum heranfliegenden Ball halten. Eine Berechnung der Flugbahn des Balls wäre für sie unmöglich.

 Ein großer Teil ihrer Forschung sind Status-quo-Effekte. Was ist das?

Status-quo-Effekte können zum Beispiel durch eine Daumenregel entstehen: „Wenn Du über etwas Neues unsicher bist, dann bleibe lieber beim Alten!“ Wenn Menschen eine solche Daumenregel anwenden, verharren sie im Status quo. Eben auch, wenn die Veränderung die bessere Entscheidung gewesen wäre. Das zeigt, dass Daumenregeln manchmal gut, manchmal aber auch nicht gut funktionieren.