Der Tech-Konzern hat wieder einmal an seinem Accelerator-Programm geschraubt. Jetzt legen in Berlin die ersten Start-ups los – darunter auch sechs aus Deutschland.

In vier Monaten zu neuen Kunden: Mit diesem Ziel starten jetzt zehn Start-ups in die Berliner Ausgabe des globalen Accelerator-Programms ScaleUp, das der Technologiekonzern Microsoft finanziert. Schwerpunkt sind Softwarelösungen, die Künstliche Intelligenz integrieren. Sechs der zehn ausgewählten jungen Unternehmen stammen aus Deutschland.

Microsoft bastelt damit noch einmal an seinem eigentlich gerade erst frisch renovierten Programm herum: Im vergangenen September hatte der Konzern in Deutschland bereits eine Runde Start-ups in späteren Entwicklungsphasen eingeladen – damals allerdings noch unter dem Namen „Microsoft Accelerator“.

Schon zu dem Zeitpunkt waren aber die Struktur des Programms und das Ziel neu formuliert: Mit Hilfe von Microsoft-Ressourcen und -Netzwerk sollten mögliche Lösungen für die eigene Plattform und für Geschäftskunden weiterentwickelt werden. So entstünde „eine dreifache Win-Situation für die Gründer, Kunden und uns“, sagt Iskender Dirik, der Microsoft ScaleUp in Berlin verantwortet. Der neue Name, der auch an den anderen sieben Accelerator-Standorten weltweit eingeführt wird, soll das besser unterstreichen.

Gesucht wird daher auch nicht mehr nach ganz frischen Ideen, sondern laut Pressemitteilung bereits nach „ausgereiften Produkten und Services“. Das zeigt sich in der Auswahl der zehn Start-ups aus sieben Ländern, die jetzt in das Berliner Programm starten. Aus Deutschland ist etwa das Meinungsumfrage-Tool Opinary dabei, das kürzlich eine Drei-Millionen-Euro-Finanzierung bekannt gegeben hatte.

Weniger Experimente

Mit dabei ist auch das Münchener Start-up Speexx, welches KI einsetzt, um das Sprachenlernen zu erleichtern. Aus Leipzig kommt Webdata Solutions, die mithilfe von Software Preise besser analysieren wollen. PhraseApp aus Hamburg bietet eine Software, die es einfacher machen soll, Programme in verschiedene Landessprachen zu übersetzen und so schneller für verschiedene Märkte anzupassen. Kurze Wege für die erste Woche haben die Berliner Start-ups SMAAC, die KI in die Buchhaltung integriert, und die Logistikplattform Coureon Logistics.

Den Schritt weg von Beteiligungen und allzu frühen Investitionen in Start-ups sind zuletzt auch einige andere Konzerne gegangen. Wayra, der Beteiligungsarm des Telekommunikationskonzerns Telefónica, hatte in der vergangenen Woche sein neues Programm gestartet, in dem Start-ups zuerst einmal ein gemeinsames Projekt mit dem Unternehmen stemmen, bevor über Finanzierungen geredet wird. Konkurrent Vodafone hatte im vergangenen Jahr einen vergleichbaren Schwenk im Interview mit WiWo Gründer angekündigt.