Der Vermögensverwalter wird größter Minderheitseigner des Start-ups. Der Schulterschuss könnte dessen rasantes Wachstum noch beschleunigen.

Gestartet Anfang des vergangenen Jahres, hat sich Scalable Capital in kurzer Zeit zu einem der größten digitalen Geldverwalter entwickelt: Mehr als 250 Millionen Euro haben 6.000 Privatkunden dem Start-up bereits anvertraut. Statt menschlicher Anlageberater wählen Algorithmen passende Investments nach den Vorgaben der Kunden aus. Mit Blackrock will nun ein traditioneller Vermögensverwalter bei dem deutsch-britischen Start-up einsteigen. Genehmigen die Aufsichtsbehörden den Deal, wird der Branchenriese damit größter Minderheitseigner.

Scalable hatte im vergangenen Jahr bereits sieben Millionen Euro eingeworben. Mit der jetzt abgeschlossenen Finanzierungsrunde hat das Start-up nun insgesamt 41 Millionen Euro von Geldgebern bekommen. Auch die Altinvestoren Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures haben Geld nachgeschossen.

Gegründet haben das Unternehmen Ende 2014 Erik Podzuweit, Florian Prucker, Adam French, Patrick Pöschl und Stefan Mittnik. Inzwischen beschäftigt das Fintech an seinen Standorten München und London über 50 Mitarbeiter. Der neue Investor soll Scalable helfen, neue Kooperationen mit Finanzinstituten und  Unternehmen einzugehen. Bereits seit Januar werden Siemens-Mitarbeitern neben Versicherungs- und Vorsorgeprodukten sowie Baufinanzierungen auch Anlagen bei Scalable angeboten.

Automatisiert in Indexfonds investieren

Nach der Kapitalspritze will das Start-up außerdem in weitere europäische Märkte expandieren. Bisher ist Scalable in Großbritannien und Deuschland aktiv. „Blackrock ist eine fantastische Validierung unserer bisherigen Arbeit. Sie eröffnet uns neue Wachstumsmöglichkeiten und etabliert uns auf der europäischen Landkarte der digitalen Vermögensverwalter“, sagt Podzuweit. Die Plattform des Unternehmens sei bereits jetzt auf mehrere Sprachen und Währungen ausgerichtet. Sie könne unterschiedliche steuerliche und aufsichtsrechtliche Systeme abbilden.

Durchschnittlich legen Kunden 40.000 Euro an, schrieb Scalable Capital im März. Das Start-up wirbt damit, dass vergleichsweise geringe Gebühren anfallen. Investiert wird ausschließlich in Indexfonds. Diese bilden die Wertentwicklung eines Börsenindex nach. Indexfonds bieten zwar auch klassische Vermögensverwalter – darunter Blackrock – an. Bei dem Start-up entscheidet aber die Software über das Investment.

Marktbeobachter sagen der automatisierten Geldanlage ein steiles Wachstum voraus. Viele Start-ups dienen sich mit ihren Technologien als sogenannte Robo-Advisor an. Ein ähnliches Geschäftsmodell wie Scalable verfolgt etwa Ginmon. Das Frankfurter Fintech hatte im Februar eine neue Finanzierungsrunde eingeläutet.