Der Beteiligungskonzern berichtet steigende Umsätze für seine Vorzeigeunternehmen. Doch die meisten Start-ups bleiben tief in den roten Zahlen.

Mit einem Verlust von 741,5 Millionen Euro hat die Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet ihr Geschäftsjahr 2016 abgeschlossen. Gegenüber dem Vorjahr ist das fast eine Verdreifachung. Das teilte der Konzern heute mit. Geprägt sei das Ergebnis von zwei Effekten: Zum einen vom Verkauf der Essenslieferdiente La Nevera Roja in Spanien sowie Pizzabo in Italien. Zum anderen habe es Wertberichtigungen bei der Global Fashion Group (GFG) gegeben. In der Gruppe bündelt Rocket vier Online-Modehändler, die in Schwellenländern aktiv sind.

Dem Eindruck, Rocket Internet verbrenne dauerhaft Geld, ohne sich der Gewinnzone zu nähern, will Vorstandschef Oliver Samwer entgegenwirken. „Im Jahr 2016 haben unsere ausgewählten Unternehmen weitere Fortschritte auf dem Weg in Richtung Profitabilität erzielt und gleichzeitig ihren Umsatz gesteigert“, lässt er sich in der Mitteilung zitieren.

Zu den „ausgewählten Unternehmen“ zählt der Konzern neben der GFG die Food-Start-ups HelloFresh und Delivery Hero, die Onlinemöbelhändler Westwing und Home24 sowie Jumia – eine Dachmarke für E-Commerce-Aktivitäten in Afrika. Zusammengerechnet hat sich der Umsatz der Unternehmen um fast ein Drittel auf 2,2 Milliarden Euro gesteigert. Der operative Verlust hat sich um 234 Millionen Euro verringert – unterm Strich bleibt aber ein Minus von 356 Millionen Euro.

Teuer erkauftes Wachstum

Gut entwickelt hat sich im vergangenen Jahr vor allem der Hoffnungsträger HelloFresh: Gegenüber 2015 hat sich der Umsatz des Kochboxen-Dienstes fast verdoppelt auf knapp 600 Millionen Euro. Die Zahl der aktiven Abonnenten, die in den letzten drei Monaten des Jahres zumindest einmal bestellt haben heute, stieg um mehr als ein Drittel. Das Wachstum bleibt aber teuer erkauft. Unterm Strich stand noch immer ein nahezu unveränderter Verlust (Ebitda) von 82,6 Millionen Euro. Einen steigenden Umsatz verzeichnete auch der Lieferdienst Delivery Hero, der laut Rocket nun jährlich mehr als 170 Bestellungen in 40 Ländern bearbeitet.

Oliver Samwer betont stets, die Verluste seien notwendig, um Start-ups auf Wachstumskurs zu bringen – und auf lange Sicht mit einer großen Kundenbasis Geld verdienen zu können. Doch die Vorzeigeunternehmen im Portfolio dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei einer Reihe von Beteiligungen der Raketenantrieb gar nicht erst zündet. Für Anleger bleiben Rocket-Aktien ein riskantes Investment. Nach Abwertungen im Portfolio erreichte der Kurs in den vergangenen Wochen mehrere Tiefs. Als ein wesentliches Risiko ist im Geschäftsbericht genannt, dass das Finanzierungsumfeld für Wachstumsunternehmen herausfordernder wird.