Frank Thelen fordert mehr Risiko von den Deutschen, die klagen über Geldprobleme und Rocket plant schon die nächste Kapitalerhöhung. Was in dieser Woche wichtig war.

Seine scharfe Kritik machte Frank Thelen schon in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ zum gefürchteten Investor. Dass der 39-Jährige nicht nur gegen Start-ups austeilen kann, sondern auch gegen seine eigene Zunft – die Kapitalgeber –, bewies er am Mittwoch. „Deutsche Geldgeber schauen immer nur auf den Umsatz. Die wollen Zahlen sehen und tunlichst schnellen Erfolg“, sagte er beim Family Day des High-Tech-Gründerfonds. Die Risikoscheu zeige, dass es den Deutschen nicht an Ideen, sondern an der richtigen DNA mangele, wetterte er: „Milliarden-Exits, wie wir sie in Amerika sehen, sind nur mit Risiko möglich.“ Kleines Manko seines durchaus wichtigen Punktes: Auch er selbst kann den zehnstelligen Ausstieg noch nicht vorweisen.

Dass er mit seiner Kritik, gerade an den Kapitalgebern, trotzdem nicht ganz falsch liegt, belegte am Donnerstag eine Studie des Branchenverbands Bitkom – zumindest für den IT-Bereich. Demnach hat derzeit jedes dritte Start-up in der Branche Probleme damit, ein Darlehen zu erhalten. Zum Vergleich: IT-Unternehmen, die schon fünf Jahre oder länger am Markt sind, berichten mit 18 Prozent deutlich seltener von Finanzierungsschwierigkeiten. Das größte Problem sehen 40 Prozent der Start-ups darin, dass von ihnen Sicherheiten verlangt werden. Vielleicht hat Thelen mit seiner Risikoscheu doch gar nicht so Unrecht.

Digitale Start-ups, wo seid ihr?

Dabei bräuchte Deutschland dringend noch mehr junge, digitale Unternehmen. Auf die Großkonzerne sollte sich die Industrie nämlich nicht verlassen: 44 Prozent der heutigen Weltspitze der Wirtschaft sieht keine Gefahr durch die Digitalisierung für das eigene Geschäftsmodell, wie eine Studie von Cisco und dem Institute of Management Development darlegt. Wenn die Studie recht behält mit ihrer Prognose, dass die Digitalisierung die Welt schneller wandeln wird als alle bisherigen Veränderungen in der Industrie, sieht es für bisherige Größen düster aus. Auch in der Bundesrepublik.

Wie es aussieht, wenn ein Unternehmen etwas unterschätzt, zeigte sich am Dienstag auch auf der Premieren-Hauptversammlung von Rocket Internet. Dort mussten die Anleger teilweise stehen, da der Start-up-Inkubator den Andrang zu seinem ersten Aktionärstreffen offenbar deutlich unterschätzt hatte – und das, nach dem die Aktionäre schon eine Sicherheitskontrolle passiert hatten, die manche Flughafenkontrolle lasch erschienen ließ. Aber kommen wir zurück zum Geld.

Davon brauchen Oliver Samwer und seine Kollegen offenbar noch etwas mehr – obwohl die Lieferdienste viel, viel Pizza verkaufen, wie der Geschäftsführer erzählte. Am Dienstag ließ sich der Chef deshalb schon mal pro forma eine weitere Kapitalerhöhung von seinen Aktionären absegnen. Zumindest bei Rocket scheint die Geldflut nicht abzureißen. Damit das so bleibt, sollten die wichtigen Start-ups allerdings langsam mal schwarze Zahlen schreiben.

Wie man Geld von den Investoren ergattert, das haben zumindest ein paar wenige Start-ups in dieser Woche gelernt. Misst man allerdings die Anzahl der größeren Finanzierungsrunden in dieser Woche, erscheint Thelens Kritik an der deutschen Start-up-Szene noch plausibler. Größere Beträge konnten lediglich Ascribe mit zwei Millionen Euro und Careerfoundry mit einer sechsstelligen Summe vermelden. Vielleicht hat Frank Thelen am Ende doch Recht.