Start-ups wie Wandelbots bieten etablierten Roboterherstellern die Stirn. Ihre Software macht die Maschinen zu lernfähigen und umsichtigen Assistenten. Die Industrie freut sich.

Von Jonas Gerding

Georg Püschel frotzelt über den Industrieroboter, mit dem er hantiert. „Eigentlich kann der gar nichts“, sagt er. Dabei gilt der Greifarm-Roboter von Kuka als einer der geschmeidigsten und präzisesten überhaupt im Zusammenspiel mit Menschen. Sanft stoppt er, sobald er gegen jemanden stößt. Und dennoch: Damit Industrieroboter konkrete Handgriffe ausführen können, müssen Programmierer aufwendige Codes schreiben, sagt der 32-jährige Geschäftsführer über die Marktlücke, die er mit seinem Dresdner Start-up Wandelbots schließen möchte.

Wandelbots hat eine Software entwickelt, mit der selbst IT-Laien Robotern Bewegungen beibringen können. An Brust, Unter-, und Oberarm seines Kollegen hat Püschel Sensoren gebunden. Jede Bewegung wird somit vom Greifarm-Roboter imitiert – und kann von nun an eigenständig wiederholt werden, erklärt der Gründer: „Damit wollen wir die Hürde für die Anwendung von Robotern so niedrig wie möglich machen“.

Lange war Robotik eine kapitalintensive Domäne für Maschinenbauer und Forschungsinstitute. Nun steigen immer mehr Start-ups ins Geschäft ein. Mit Software-Skills verfeinern und spezialisieren sie sogenannte „kollaborativen Roboter“, die umsichtig genug sind, um mit dem Menschen gefahrlos zu interagieren. Die Preise für Industrieroboter sinken – und so versprechen sich nicht mehr nur Großkonzerne viel vom Einsatz jener „Cobots“, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen.

In diesen Tagen zeigt ein Rundgang auf der Hannover Messe, wie viele Gründer etablierten Maschinenbauern wie Kuka und Universal Robots die Stirn bieten: Yuanda – ein vom gleichnamigen chinesischen Unternehmen finanziertes Spinoff der Universität Hannover – präsentiert einen smarten Industrieroboter. Franka Emika aus München stellt einen ultraleichten Cobot für gerade einmal 10 000 Euro vor. Und das Stuttgarter Team von drag&bot wurde für ihre Konfigurations-Software mit einem Gründerpreis des Wirtschaftsministeriums ausgezeichnet.

„Sie versuchen die Preise runterzukriegen, um auch Mittelständler zu erreichen, bei denen nach wie vor sehr viel manuell erledigt wird“, sagt Roman Weitschat über jene neue Generation an Robotern, die vor wenigen Jahren noch ein Vielfaches gekostet hätten. Dementsprechend günstig ist es auch für Startups geworden, mit ihnen zu experimentieren, beobachtet der Projekt-Manager für Mensch-Roboter-Kollaboration am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik: „Software zur Programmierung von Robotern hat auf jeden Fall Potenzial“.

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