Junge Finanzfirmen und immer mehr Banken versprechen eine automatisierte Form der Geldanlage: Günstiger, bequemer, einfacher – und ohne menschlichen Eingriff. Kann das gut gehen?

Geldanlage ist für viele Deutsche vor allem eins: lästig und kompliziert. Die meisten lesen sich nur ungern durch Angebote ihrer Hausbank in sprödem Finanzdeutsch. Und auf eigene Faust auf die Suche nach Aktien oder Fonds gehen nur wenige.

Eine bequemere und billigere Lösung versprechen automatisierte Geldverwalter, sogenannte Robo Advisor. Sie preisen sich als Alternative zur Bankberatung – über das Internet, mit wenigen Klicks und ohne menschliches Mitwirken. «Die Geldanlage in einfach», wirbt etwa der Frankfurter Anbieter Vaamo. «Bei uns können Kunden von der Couch aus anlegen und das ohne Papierkram», sagt Mitgründer Oliver Vins. Andere heißen Quirion, Easyfolio, Liqid und Scalable Capital. Dahinter stehen junge Finanzfirmen, die Banken Konkurrenz machen.

Anleger vertrauen ihr Geld bei einem Robo Advisor aber nicht blind einer Maschine an. Sie müssen zunächst einige Fragen beantworten – etwa zu Alter, Risikoneigung, Anlagezeitraum und -summe. Auf Basis der Antworten erhalten sie dann Vorschläge für Portfolios. Je höher die erwünschte Rendite und die maximale Verlusttoleranz, desto größer ist der Aktienanteil. Bei vorsichtigen Sparern überwiegen Anleihen.

Meist wird über börsengehandelte Indexfonds (ETF) investiert, die Geld günstig und breit gestreut anlegen. Manche Anbieter bieten auch komplexere Lösungen. Viele übliche Sparer hingegen legen ihr Geld auf kaum verzinste Bankkonten oder beschränken sich auf wenige Positionen. «Robo Advisor verschaffen Zugang zu globalen Portfolios», sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. «Darin liegt eine Chance.»

Langfristig versprechen Anlage-Roboter vier bis sechs Prozent Rendite jährlich bei Gebühren von unter einem Prozent. Damit sind sie konkurrenzfähig zu Bankprodukten. Wegen der Niedrigzinsen achteten Anleger stärker auf Kosten, sagt Matthias Hübner, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. «Davon profitieren Robo Advisor.» So tummeln sich rund 20 Anbieter auf dem deutschen Markt. Banken haben den Trend erkannt: Die Deutsche Bank hat vor knapp einem Jahr einen Anlage-Roboter gestartet, die Commerzbank plant einen. Andere Geldhäuser arbeiten mit Start-ups zusammen. Die spanische Bank Santander etwa kooperiert mit Vaamo. Andere dürften folgen. «Ich sehe in Finanztechnologien wie Robo Advisor eine große Bedrohung für den Beruf des Anlageberaters«, sagt Verbraucherschützer Nauhauser.