Carsten Maschmeyer nannte Andreas Widmann einen Superstar – und wollte zusammen mit Georg Kofler in dessen Start-up einsteigen. Warum es dazu nicht kam.

Es kommt selten vor, dass sich Investoren während eines Pitches so einig sind: „Sie haben mich fasziniert, sie ein Superstar und haben ein Riesenpotential“, urteilte Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel sprach von einem „genialen System“ und Frank Thelen nannte den Auftritt einen „Oberkracher“.

Hervorgerufen hatte die Begeisterungsstürme der 26-Jährige Andreas Widmann, der mit seinem Start-up Roadads Interactive LKWs in digitale Werbeflächen verwandelt, indem er sie mit 64 Zoll großen E-Paper-Displays ausrüstet, die per GPS, LTE und WLAN vernetzt sind. So können die Werbeanzeigen gezielt regional ausgespielt und automatisch geändert werden, wenn der LKW eine Landesgrenze passiert. Zu den Werbekunden gehören bereits Burger-King, die VR Bank Rhein-Neckar und das E-Commerce-Unternehmen Rebuy.

Von den Löwen erhoffte sich Andreas Widmann, der das Start-up zusammen mit seinem Vater 2015 gegründet hatte, 500.000 Euro Wachstumskapital und bot den Löwen dafür zehn Prozent der Firmenanteile an.

Das schien den Löwen dann doch zu risikoreich – einer nach dem anderen stieg aus, bis am Ende nur noch Georg Koffer übrig blieb. Doch dessen Gegenvorschlag von 500.000 Euro für 75 Prozent gefiel Widmann nicht, was wiederum Carsten Maschmeyer dazu veranlasste zurück ins Spiel zu kommen. Gemeinsam mit Georg Kofler bot er dem Mannheimer Gründer 750.000 Euro für eine Beteiligung von 25 Prozent.

Nach kurzer Rücksprache mit seinem Vater stand für Andreas Widmann fest: So machen wir es!

Warum es nach diesem turbulenten und vielversprechenden Start nach der Aufzeichnung der Sendung trotzdem nicht zu einem Deal mit den Löwen kam und warum RoadAds Interactive jetzt auch in den USA durchstartet, erzählt Andreas Widmann im Interview.

Herr Widmann, Ihr Auftritt in „Die Höhle der Löwen“ war eine richtige Zitterpartie. Alle Jurymitglieder lobten ihre Idee und ihren Auftritt , doch investieren, so schien es zunächst, wollte niemand.
Es war tatsächlich bis zum Ende sehr spannend. Ich bekam wahnsinniges Lob, aber keinen Deal. Das hat mich kurzzeitig auch ziemlich nervös gemacht, aber ich habe mich darauf konzentriert auf jedes Argument, das gegen ein Investment sprach, souverän zu reagieren und die Einwände zu entkräften.

Das hat am Ende auch funktioniert. Hatten Sie mit Georg Kofler als möglichen Geldgeber gerechnet? 
Ja, ich hatte ihn die ganze Zeit im Kopf, weil er aus dem Medienbereich kommt und sich mit dem Thema Werbung dementsprechend gut auskennt. Auch Carsten Maschmeyer erschien mir auf Grund seiner Sales-Expertise als ein passender Partner für uns. Dass er dann nach seinem Ausstieg plötzlich wieder an Bord war, hat mich aber wirklich umgehauen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Georg Kofler und Carsten Maschmeyer?
Zu einem Deal mit den beiden kam es trotz der fairen und guten Gespräche nicht. Wir hatten unterschiedliche Einschätzungen bezüglich des Geschäftsmodells. Neben unseren Fahrzeugdisplays sehe ich auch ein riesen Potential in unserer Online Plattform und in der Art wie wir Außenwerbung flexibel buchbar und messbar machen. Mit unserem Buchungstool lassen sich zukünftig auch bestehende Werbeflächen erweitern, beispielsweise stationäre Außenwerbung an Bahnhöfen. Unser Fokus liegt aber natürlich erstmal auf der Autobahn. Eine Displayversion für Transporter haben wir bereits entwickelt und arbeiten an einer weiteren für Busse.

Hatte der Absprung der Löwen negative Konsequenzen für Ihr Start-up?
Nein, überhaupt nicht. Wir stehen immer noch im sehr guten Kontakt zu beiden Investoren und ihren Teams. Mit der Social Chain Group von Herrn Kofler sind wir beispielsweise gerade in Gesprächen, um gemeinsame Werbekampagnen zu realisieren. Und mit der Maschmeyer Group sind wir im konstruktiven Austausch im Bereich der Sales-Optimierung. Außerdem haben wir einen anderen Investor für uns gewinnen können. Thomas Steckenborn, Vorstandsvorsitzender der CEMA AG aus Mannheim, hat RoadAds interactive seit 2016 beratend begleitet, nachdem er den Mannheimer Existenzgründungspreis gestiftet hatte. Mit ihm zusammen gehen wir jetzt in die Skalierung.

Sie haben Ihr Start-up direkt nach der Uni gegründet. Ist das etwas, zu dem sie anderen raten würden?
Nach meinem Bachelorabschluss in Biowissenschaften wollte ich eigentlich noch einen Master in Informatik machen. Ich hatte parallel zu meinem ersten Studium bereits einige Vorlesungen in dem Fach besucht, weil ich gemerkt hatte, dass mein eigentlicher Berufswunsch mir doch nicht entsprach. Dann kam die Idee zu RoadAds interactive – und ich habe die Chance ergriffen. Natürlich erfordert es Mut sein Studium zu unterbrechen, aber es ist wahrscheinlich einfacher als mit Mitte 40 seinen festen Job aufzugeben und sich in die finanzielle Unsicherheit zu begeben.

Sie haben in der Sendung mehrfach mit Ihrem Vater Rücksprache gehalten, bevor sie sich für das Angebot der Löwen entschieden haben. War er von Anfang an genauso überzeugt von Ihrer Geschäftsidee wie Sie?
Absolut. Mein Vater hat mich immer in meinem Plan unterstützt und die Firma gemeinsam mit mir gegründet. Er ist in der Logistikbranche tätig und nicht am operativen Geschäft beteiligt, aber er berät mich und stellt ein umfangreiches Netzwerk zur Verfügung. Wir treffen wichtige Entscheidungen immer zusammen. Bei ihm musste ich mich nicht verstellen, konnte Zweifel und Unsicherheiten äußern. Das ist ein enormer Vorteil so ein Vertrauensverhältnis zu haben – so etwas muss man sich mit anderen Geschäftspartnern erst erarbeiten.