Mehr Runden, mehr Geld: Gründer werben immer erfolgreicher um Finanzierungen, zeigt eine Studie. Deutschland hält den zweiten Platz – mit gewohnten Schwächen.

Gute Zeiten für Gründer in Europa: Im ersten Halbjahr floss mehr Geld an Start-ups. Das zeigt das halbjährlich veröffentlichte Start-up-Barometer Europa der Unternehmensberatung EY (hier geht es zum PDF). Insgesamt brachten Investoren und Börsengänge 10,2 Milliarden Euro ein – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 27 Prozent. Die Zahl der Finanzierungen stieg um knapp 20 Prozent auf fast 2000 verzeichnete Runden. Mit etwas über drei Milliarden Euro bleibt Großbritannien trotz eines nahenden Brexits das bevorzugte Investitionsziel auf dem Kontinent.

Für Deutschland, das sich den zweiten Platz im Barometer sichert, gilt ähnliches: Auch hier stiegen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 sowohl die Anzahl der Finanzierungsrunden (von 264 auf 273) als auch die investierte Summe (von 2,1 auf 2,4 Milliarden Euro). Im Durchschnitt wuchsen somit die pro Start-up geflossenen Mittel von 8,07 auf 8,84 Millionen Euro – in der Realität verzerren natürlich Finanzierungsrunden im dreistelligen Millionenbereich, wie etwa das Investment von Softbank in Auto1, das Bild.

Im Detail sind solche Erhebungen immer mit Vorsicht zu genießen – nicht alle Finanzierungsrunden werden überhaupt oder zum tatsächlichen Zeitpunkt veröffentlicht. In der rein auf den deutschen Markt fokussierten Ausgabe des Barometers kam EY etwa selbst im Sommer auf 2,2 Milliarden Euro Risikokapital. Zumindest eine grobe Richtung der Entwicklung lässt sich durch die Untersuchungen jedoch erkennen.

München und Berlin unter den Top 10

Regional bleibt Berlin in Deutschland Spitze und schafft im europäischen Vergleich den zweiten Platz hinter London. Nur Deutschland und Großbritannien bringen in der EY-Untersuchung noch eine zweite Stadt unter die zehn besten Plätze: München schafft den sechsten Platz, wenn es um die investierten Summen geht. Paris, Stockholm und Dublin schieben sich hier zwischen die beiden deutschen Vertreter.

Wenn es um die Zielrichtung der Investitionen geht, bleiben die Pfründe relativ klar verteilt:  „Von dem aktuellen Investitionsboom in Deutschland und der hohen Investitionsbereitschaft der Kapitalgeber profitierten zuletzt vor allem junge E-Commerce-Unternehmen”, sagt EY-Partner Peter Lennartz. Technologie-Start-ups hätten es hingegen nach wie vor schwerer, an frisches Kapital zu kommen, so Lennartz. Aufgegeben haben die Berater diese Bereiche nicht: Einige etablierte Konzerne traditionellen Industrien – wie etwa der Automobil- oder der Finanzsektor – investieren allmählich entschlossener in große und kleine Beteiligungen.