Mehr Geld für Start-ups – aber zu wenig Wachstum in den Finanzierungstöpfen. Digitalwirtschaft und Investoren fordern mehr staatliche Unterstützung.

Die absolute Zahl klingt beeindruckend, die relative Zahl dagegen erschreckend gering: Mehr als 1,1 Milliarden Euro Risikokapital wurden im vergangenen Jahr in Deutschland investiert – damit hat sich diese Summe seit 2012 verdoppelt. Und dennoch: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt beträgt dieser Wert nur 0,035 Prozent – in den USA ist dieser Anteil etwa zehn Mal größer. Das zeigen Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Untersuchung „Treibstoff Venture Capital“, die die Unternehmensberatung Roland Berger jetzt gemeinsam mit der Interessensvertretung Internet Economy Foundation (IE.F) und dem Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) herausgegeben haben (hier geht es zum PDF der Studie).

Die Botschaft der Autoren ist klar: Trotz steigender Investitionssummen in Start-ups und Digitalunternehmen fehle die Finanzkraft, um junge Firmen nach vorne zu bringen. Das größte Problem der deutschen Gründerszene bleibt auch laut der Studie die Finanzierung in den späteren Wachstumsphase, wenn häufig hohe zweistellige oder sogar dreistellige Millionensummen gefordert sind. „Ein hinreichendes Angebot an Kapital ist maßgeblich mitentscheidend, ob aus jungen Start-ups mittelständische Champions oder gar globale Vorreiter von morgen werden“, schreiben Friedbert Pflüger von der IE.F und Ulrike Hinrichs vom BVK im Vorwort der Studie.

Staat soll Risikokapital verdoppeln

In die Pflicht genommen wird von den privatwirtschaftlichen Akteuren vor allem der Staat. Als wichtigste Forderung nennen BVK und  IE.F einen staatlichen Fördertopf mit bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr, der privatwirtschaftliche Investitionen verdoppelt. Als richtig angelegtes, aber zu schwach finanziertes Vorbild wird von den Autoren der 225-Millionen-Euro-Fonds Coparion genannt.

Zudem fordern die Autoren einen „Zukunftsfonds Deutschland“, in dem neben der Industrie auch Privatanlager, abgesichert durch staatliche Garantien, einzahlen könnten. Als Vorbild wird das dänische Modell genannt, in dem Staat und Pensionskassen ein vergleichbares Konstrukt aufgesetzt haben. Ebenfalls empfohlen wird – wie bereits von zahlreichen anderen Interessensvertretern – eine Abbau von bürokratischen Hürden oder einfachere Steuerabschreibungen für die eigene Branche.

Spotlight und Steuererleichterungen

Ebenso ein Dauerbrenner der Finanzinvestoren: Renten- oder Krankenkassen sollten Teile ihrer Einlagen auch als Risikokapital investieren dürfen. „Allein aus demografischen Gründen braucht Deutschland einen Ausbau der kapitalbasierten Elemente in der Rente“, heißt es im Report.

Exzellenzcluster an Hochschulen sollen Nachwuchs früh fördern, zudem sollten erfolgreiche Beispiele – der Bericht nennt etwa die deutschen Start-ups Tado und Sonnen – stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.