Deutsche Städte ringen um mehr Start-ups und setzen auf die Impulse junger Finanzfirmen. Nun hilft auch die Bundesregierung nach.

Von Alexander Sturm, dpa

Im „Pollux“-Turm an der Frankfurter Messe präsentiert die Banken-Stadt ihr Vorzeigeprojekt. Im „Tech Quartier“ finden auf einer Etage 120 Gründer von Finanzfirmen – sogenannten Fintechs – Platz, um Ideen zu schmieden und Gleichgesinnte zu treffen. Es soll ein Signal zur Aufholjagd sein.

„Der führende Finanzplatz des Kontinents muss auch in der Fin-Tech-Branche die Führungsposition übernehmen“, sagte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zur Eröffnung. Der Satz sagt viel über den Ehrgeiz am Main. Frankfurt, das mit dem nüchternen Geld-Geschäft zu Reichtum kam, setzt plötzlich auf Kreative.

Mit digitalen Anwendungen sollen Start-ups der Finanzbranche helfen, im technologischen Wandel mitzuhalten. Denn Banken und Versicherungen drohen, in der Digitalisierung den Anschluss zu verlieren. Apps, mit denen sich etwa Geld bequem anlegen lässt oder Freunde gemeinsame Geschenke finanzieren können, erleichtern es, junge Kunden zu binden.

Berlin weiterhin führend in Sachen Start-ups

So hat die Deutsche Bank jüngst eine „Digitalfabrik“ eröffnet, wo Programmierer, Produktexperten und Berater an digitalen Angeboten feilen. Die Commerzbank fördert mit „Commerz Ventures“ Start-ups, und die Deutsche Börse hat ein eigenes Fin-Tech-Zentrum gegründet. Chef Carsten Kengeter schwärmte schon vom deutschen Silicon Valley.

Mit dem Fin-Tech-Boom ist Frankfurt nicht allein. In ganz Deutschland sprießen junge Finanzfirmen aus dem Boden. 154 wurden laut der Comdirect-Bank 2015 gegründet – fast jeden zweiten Tag eine neue. Großstädte werben heftig um sie, schließlich stehen Start-ups für Fortschritt. Allein: Die meisten Gründer zieht es weiter nach Berlin.