Immer mehr Migranten wollen auch aus Deutschland Geld in ihre Heimatländer überweisen. Fintechs springen ein – deutsche Start-ups zögern aber noch.

Von Jonas Gerding

Das Smartphone verbindet Millicent Osewe mit ihrer Familie. Die gebürtige Kenianerin lebt mit ihrem Lebensgefährten und der dreijährigen Tochter in Berlin. Ständig steht sie in Kontakt mit ihrer großen Schwester in ihrer Heimatstadt Nairobi. Dort kümmert diese sich um die beiden weiteren Kinder Osewes, die neun und vierzehn Jahre alt sind. „Jederzeit kann ich einen Anruf bekommen”, sagt die 32-Jährige. Manchmal sind es Notfälle, in denen Osewe finanziell einspringen muss. Zum Beispiel, als einer ihrer Söhne ins Krankenhaus musste.

Nach ihrer Ankunft in Deutschland vor fünf Jahren bereiteten solche Situationen Osewe und ihrer Schwester Schwierigkeiten. „Nachdem ich das Geld überwiesen hatte, musste sie zu einer Bank gehen, um es abzuheben“, erinnert sich Osewe. „Wenn sie es an einem Freitagnachmittag nicht pünktlich zur Bank geschafft hat, musste sie das Wochenende über warten.“

Heute muss Osewe für eine Überweisung in ihre Heimat nur die Smartphone-App von WorldRemit öffnen – und die gewünschte Summe und die Nummer ihrer Schwester eingeben. Auch Einrichtungen wie Krankenhäuser können das Geld ohne große Zeitverzögerung empfangen. „Das hat mir so sehr geholfen“, sagt Osewe.

18,5 Milliarden US-Dollar aus Deutschland

In Deutschland leben immer mehr Menschen wie Osewe, die einen Teil ihres Geldes in ihre Heimatländer überweisen. In der Finanzbranche ist das Geschäft als „Remittances“ geläufig, das sich Schätzungen der Weltbank zufolge im vergangenen Jahr auf 610 Milliarden Dollar belief. Aus Deutschland wurden dabei etwa 18,5 Milliarden Dollar verschickt.

Noch werden nur etwa fünf bis zehn Prozent der Zahlungen online abgewickelt – das Geschäft wird dominiert von Banken wie Western Union und MoneyGram. Doch das Disruptionspotenzial ist da. Deutsche Startups wie Cringle haben den großen, aber komplexen Markt im Auge – haben sich aber noch nicht vorgewagt. Und so wird die Branche von einigen britischen Fintechs wie WorldRemit, TransferWise oder Azimo dominiert.

Nächste Seite: Wie sich WorldRemit auf den deutschen Markt vortastet