Munich Re kauft Relayr für 300 Millionen Euro. Der Rückversicherer will mit Hilfe der IoT-Experten neue Lösungen und Finanzdienstleistungen für seine Kunden entwickeln.

Exit für Relayr: Das erst vor fünf Jahren an den Start gegangene IoT-Start-up wird verkauft. Munich Re übernimmt über ihre Gruppengesellschaft Hartford Steam Boiler (HSB) 100 Prozent an dem Berliner Unternehmen – und zahlt dafür 300 Millionen Euro. Der Rückversicherer will mit dem Kauf seine IoT-Strategie vorantreiben, um neue Lösungen und Finanzdienstleistungen für seine Kunden zu entwickeln.

Die Transaktion wird voraussichtlich in den nächsten vier bis sechs Wochen vollzogen, sobald die zuständigen Aufsichtsbehörden die Genehmigung erteilt haben. Munich Re hatte bereits 2016 in Relayr investiert.

CEO und Management-Team bleiben an Bord

„Das Internet der Dinge beeinflusst bereits jetzt unsere Welt und hat das Potenzial, die traditionelle Erst- und Rückversicherung grundlegend zu verändern. Es ermöglicht neue Geschäftsmodelle und Services und bringt neue Wettbewerber auf den Markt”, so Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands von Munich Re.

Relayr-Chef Josef Brunner sagte auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer, dass man auch nach der Übernahme weiterhin eigenständig agieren werde. Zukünftig wolle das Start-up sein Finanz- und Versicherungsangebot weiter ausbauen und auf den großen Kundenstamm der Gruppe zurückgreifen. “Wir sehen die Akquisition mehr als strategisches Investment. Es erlaubt uns unsere Innovationskraft mit der Stärke einer Konzerngruppe an den Markt zu bringen”, so Brunner.

Er selbst bleibt Geschäftsführer des Unternehmens, auch das bestehende Managementteam bleibt an Bord, ebenso wie alle Mitarbeiter: “Aktuell haben wir knapp über 200 Mitarbeiter, die wir auch weiterhin beschäftigen werden. Es ist zu erwarten, dass wir in den kommenden Monaten weiter stark wachsen und weitere Kompetenzfelder aufbauen.”

Technologie zur Digitalisierung

Im Februar dieses Jahres hatte Relayr ein 30 Millionen Euro-Investment erhalten. Lead-Investor war die Deutsche Telekom, auch die Altinvestoren Munich Re und die amerikanische Venture-Capital-Gesellschaft Kleiner Perkins steckten erneut Geld in das Unternehmen.

Das 2013 gegründete Start-up bietet Industrieunternehmen, die ihr Geschäft digitalisieren wollen, die entsprechende Technologie und berät diese bei der Umsetzung. So hat das Start-up beispielsweise eine Plattform entwickelt, mit der Firmen alte und neue Versionen von Hardware und Software verbinden sowie Daten aus Maschinen und Geräten auslesen und analysieren können. Mit dem entwickelten System können beispielsweise Fahrstühle genau dann gewartet werden, wenn die Messwerte auf einen näherrückenden Ausfall hindeuten. Zu den Kunden zählen unter anderem General Electric und Bosch.