Ein Start-up-Netzwerk der Deutschen Energie-Agentur hat 45 Empfehlungen erarbeitet, um Innovations-Hürden zu beseitigen.

Auf dem Plakat sind knapp 100 Kästchen in drei Farben, verbunden sind einige mit Pfeilen: Die „Gesetzeskarte für das Energieversorgungsystem“, die man beim Bundeswirtschaftsministerium bestellen kann, soll für Durchblick sorgen. Beim ersten Hinsehen wird aber vor allem eins klar: Wie kaum eine andere Branche ist der Energiemarkt in Deutschland von Gesetzen und Verordnungen geprägt.

Das Gewirr an rechtlichen Vorgaben macht es für selbst für Gründer aus der Branche schwer, mit neuen Geschäftsideen auf dem Markt Fuß zu fassen. Dabei sind frische Ideen politisch mehr als willkommen: Die Energiewende in Deutschland ist ins Stocken geraten, von früheren Klimazielen muss sich die Bundesregierung wohl verabschieden. Nun mahnt die Deutsche Energie-Agentur (dena), die sich als unabhängiger Treiber der Energiewende versteht, den Start-ups und ihren Anliegen mehr Gehör zu schenken.

Anfang der Woche hat das bundeseigene Unternehmen Ergebnisse seines Start Up Energy Transition Laboratory (SET Lab) vorgestellt, an dem seit Jahresbeginn 50 junge Unternehmen teilgenommen haben. Beteiligt waren etwa der Batteriespeicherspezialist Sonnen, der digitale Energieversorger Fresh Energy und der Solargenerator-Hersteller Axsol.

Von rechtlichen Vorgaben ausgebremst

„Das Einbinden von Start-ups mit ihren innovativen, teilweise sehr unkonventionell gedachten Lösungsansätzen liefert wichtige Beiträge für die erfolgreiche Transformation des Energiesystems und das Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung“, wird Projektleiter Philipp Richard in der Mitteilung der dena zitiert. Doch viele Start-ups fühlen sich aktuell durch die regulatorischen Hürden ausgebremst, so ein zentrales Ergebnis des SET Labs.

Das Netzwerk hat sich mit vier energiewirtschaftlichen Themenfeldern beschäftigt: Daten, Netze und Anlagen, Markt und Handel sowie der Energiewende im Wärmesektor. Herausgekommen sind insgesamt 45 Empfehlungen, die aus Sicht der Start-ups das Innovationsumfeld verbessern können. Oft geht es dabei um Details – so wird beispielsweise vorgeschlagen, im Stromhandel in bestimmten Fällen Ortsinformationen zu berücksichtigen.

„Großer Bedarf an Übersetzungsleistung“

Daneben gibt es aber auch übergreifende Forderungen. So wünschen sich die Start-ups eine Experten-Anlaufstelle, um Fragen zu Gesetzen, Richtlinien und Fördermöglichkeiten klären zu können. Die jungen Unternehmen wollen zudem stärker in Normierungsausschüsse und andere Gremien eingebunden zu werden.

Es bestehe „gerade im Energiebereich ein großer Bedarf an Übersetzungsleistung zwischen Start-ups, Fachpolitikern und Behörden“, resümiert dena-Chef Andreas Kuhlmann. Der Dialog zwischen Gründern und Experten des Bundeswirtschaftsministeriums sei für beide Seiten bereichernd gewesen. Die dena selbst schlägt nun unter anderem vor, dass Start-ups künftig mit einer sorgfältigen regulatorischen Prüfung unterstützt werden sollten.