Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt heute das Team von Q-lipay an. Das Fintech baut einen Bezahldienst zwischen Kontinenten auf. Wie urteilt Investorin Anja Rath?

Eine halbe Minute mit Investorin Anja Rath im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir ermöglichen Migranten in Europa und den USA, Strom-, Wasser- oder Schulrechnungen ihrer Verwandten in der Heimat zu bezahlen – direkt beim Anbieter. Ein Zuwanderer kann das hierzulande etwa im Supermarkt oder bei einer Bank erledigen, indem er einfach die Rechnungsnummer angibt. Der Transfer geht schneller und billiger über die Bühne als im Fall einer klassischen Banküberweisung ins Ausland.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir haben bereits einen Bezahldienst in Kamerun mit mehreren Ablegern in anderen Staaten Afrikas aufgebaut. Migranten hierzulande haben uns immer wieder gefragt, ob sie auch von Europa aus auf diese Weise Rechnungen bezahlen können. Also ziehen wir das Geschäft nun hier hoch.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Mehrere Banken in Europa würden unsere Zahldienste gern ihren Kunden anbieten. So können wir schnell wachsen. Sobald wir die Zulassung von der Bankenaufsicht haben, legen wir los und erhalten je Transaktion eine Gebühr.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Wir sind immer hungrig und nie zufrieden mit dem Erreichten.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Unsere Mitarbeiter kommen aus sechs Nationen, sind 18 bis 41 Jahre alt, Veganer, Vegetarier und Fleischesser, Raucher und Nichtraucher. Unsere Frauenquote liegt bei rund 25 Prozent.

Was war euer größter Rückschlag?
Das war, als wir bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine Zulassung beantragten. Sie erteilte uns so hohe Auflagen, dass wir den Antrag zurückzogen. Jetzt holen wir uns die Zulassung in Litauen, das Start-up-freundlicher ist. Wir erwarten die Genehmigung im Mai.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir der führende Anbieter für die Zahlung internationaler Rechnungen und in 100 Schwellenländern aktiv.

Fakten zum Start-up

Kunden: Pilotbanken in Deutschland und Österreich
Finanzierung: privat
Gründung: 2016 in Leipzig
Gründer: Michael Flach, Jerry Cheambe, Michael Nowag
Mitarbeiter:
12

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 5/5

Urteil: „Der Wert pro Transaktion ist vermutlich nicht sehr hoch. Es braucht daher viele Überweisungen, damit das Geschäft wirtschaftlich attraktiv wird. Aber der Markt dafür ist in jedem Fall da.“
Anja Rath, Managing Partner bei Cooperativa Venture und Exgeschäftsführerin von Brandenburg Ventures, dem Investmentvehikel des MP3-Erfinders Karlheinz Brandenburg

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