2014 konnte Protonet innerhalb von nur 89 Minuten die erste Million über Crowdfunding einsammeln. Nun sucht das Hamburger Start-up im Silicon Valley Geldgeber.

Die Jagd nach Geldgebern für eine große Idee kann ganz schön auf die Knochen gehen. Ali Jelveh, Mitbegründer des Hamburger Start-up-Unternehmens Protonet, kommt bei seiner Tour im Silicon Valley in diesen Tagen nicht dazu, sich mal richtig auszuschlafen. Doch an Ausruhen will der charismatisch auftretende Jungunternehmer derzeit nicht denken. Schließlich hat er gerade die Möglichkeit, renommierte Investoren wie Sequoia Capital als Geldgeber zu gewinnen, die zuvor auch schon Apple, Google oder Facebook in ihrer Startphase unter die Arme gegriffen haben.

Protonet hatte 2014 mit einem Crowdfunding-Rekord auch international Schlagzeilen gemacht. Drei Millionen Euro wurden damals von über 1800 Kleininvestoren eingesammelt, um die Entwicklung eines Servers für kleinere Unternehmen und Privathaushalte zu finanzieren, der wie große Cloud-Dienste funktioniert, aber die sensiblen Daten nicht nach außen verlagert.

Durchbruch von Deutschland aus schwierig

Mit seinen orangefarbenen kompakten Design-Rechnern im Stahlgehäuse erzielte Protonet dann auch einige Achtungserfolge. 2015 macht das Unternehmen über eine Millionen Euro Umsatz. Doch der ganz große geschäftliche Durchbruch ließ auf sich warten, obwohl die Datenskandale um NSA bis BND eigentlich ein günstiges Marktumfeld für die Produkte von Protonet geschaffen hatten. Selbstkritisch räumen Jelveh und sein Mitgründer Christopher Blum nun ein: „Wir haben groß gedacht, aber nicht groß gehandelt.“ Das soll sich jetzt ändern.

Zu den Erkenntnissen gehörte auch, dass man von Deutschland aus den internationalen Durchbruch kaum schaffen kann, sondern den Weg in das IT-Mutterland USA wagen muss. Ende November 2015 bewarben sich die Protonet-Gründer deshalb beim legendären kalifornischen Start-up-Programm „Y Combinator“, aus dem Firmen wie AirBnB, Dropbox und Pebble als internationale Player hervorgegangen sind – und wurden nach nicht einmal 15 Minuten Vorstellungsgespräch akzeptiert.

„Für uns war das wie ein Aufstieg von der Kreisklasse direkt in die Bundesliga“, sagt Jelveh. Wichtiger als die Fördersumme von 120 000 Dollar sei die Funktion von „Y Combinator“ als Türöffner zu den großen Wagniskapitalgebern, die im Silicon Valley vor allem an der Sand Hill Road in Menlo Park sitzen.

Für eine neue Produktidee setzt Protonet allerdings nicht nur auf das Geld der großen Silicon-Valley-Fonds, sondern erneut auf eine Schwarmfinanzierung. Auf der internationalen Crowdfunding-Plattform Indiegogo wird von diesem Dienstag (15. März) an Geld eingesammelt, um mit einer datenschutzfreundlichen Lösung in den Smarthome-Markt einzusteigen. Mit dem 149 Dollar teuren Miniserver „Zoe“ will man eine sichere Schaltzentrale für Privathaushalte anbieten, mit der man die Heizung steuern, Türen und Fenster überwachen oder andere Geräte im vernetzten Zuhause dirigieren kann.