Das Start-up vermietet in Berlin möblierte Zimmer in betreuten Wohngemeinschaften – und will nun rasch in andere europäische Länder expandieren.

Nach Coworking kommt Coliving: Mit voll möblierten Zimmern, großen Gemeinschaftsräumen und inkludiertem Reinigungsservice will eine wachsende Zahl von Immobilien-Start-ups den Wohnungsmarkt aufmischen. Eines dieser Proptechs ist Projects. Gegründet vor anderthalb Jahren, betreibt das Berliner Start-up bereits vier solcher Wohngemeinschaften in Berlin.

Mit frischem Kapital wollen die Gründer Luca Bovone und Giorgio Ciancaleoni nun expandieren. Wie Projects heute bekannt gab, erhält das Start-up vom italienischen Wagniskapitalgeber P101 SGR über zwei Millionen Euro. Zuvor hatten demnach Homebell-Gründer Florian Swoboda und der Immobilieninvestor Jakob Mähren ein Starkkapital von einer halben Million zur Verfügung gestellt.

Die Gründer positionieren ihr Start-up als europäischen Anbieter und wollen außer in andere deutsche Städte wie Düsseldorf und München im Februar zunächst nach Madrid. Auch Italien und Frankreich stehen auf dem Plan. Das ambitionierte Ziel: 5.000 neue Zimmer sollen so entstehen. Dazu wollen die Gründer nun auch das bisher achtköpfige Team deutlich aufstocken.

Monatsmieten ab 700 Euro

Das Start-up kauft die passenden Immobilien nicht, sondern mietet die Flächen seinerseits an. Immobilienbesitzern verspricht das junge Unternehmen verlässliche Einnahmen und hohe Quadratmeterpreise. Mieter wiederum lockt Projects außer mit der stressfreien Wohnungssuche mit den Serviceleistungen, zu denen etwa auch schnelles WLAN und kostenlose Handtücher gehören. „Community Manager“ vor Ort sollen zudem sicherstellen, dass das Zusammenleben in den Riesen-WGs konfliktfrei bleibt.

Dafür ruft Projects an den Berliner Standorten Monatsmieten ab 700 Euro auf. Besonders groß sind die Zimmer indes nicht: Die bisherigen Immobilien weisen eine Gesamtfläche von 2300 Quadratmetern auf, pro Mieter kalkuliert Projects mit 25 Quadratmetern, wie das Unternehmen auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer angab. Die bisherigen Wohneinheiten seien komplett ausgebucht.

US-Vorbild mit großer Finanzierungsrunde

„Wer zu uns kommt ist weltoffen, beruflich viel unterwegs, legt Wert auf Stil, Qualität und Individualität, genießt es aber auch, sich von anderen mit einem ähnlichen Mindset inspirieren zu lassen oder einfach eine gute Zeit zu verbringen“, sagt Mitgründer Bovone. Die aktuellen Kunden von Projects seien zwischen 22 und 30 Jahre alt, 70 Prozent der Berliner Mieter kämen aus dem Ausland.

Vorbild für Projects sind die US-Unternehmen WeLive und Common. Das letztgenannte Proptech, das in sechs amerikanischen Städten aktiv ist, hatte vor einem Jahr 40 Millionen Dollar von Investoren eingeworben. In Deutschland ist neben anderen der Coworking-Anbieter Rent24 auf dem Markt aktiv – und vermietet Zimmer in Berlin, Chemnitz und Hamburg. Gedacht ist das aber vor allem für kurze Aufenthalte. Nach der Übernahme des britischen Konkurrenten The Brew hatten die Berliner zudem angekündigt, in Großbritannien auch Mikroapartments anbieten zu wollen.