Das Wiener Start-up soll dennoch eigenständig bleiben. Erreichen die sieben Gründer Wachstumsziele, winkt eine Zusatzzahlung von bis zu zehn Millionen Euro. 

96.000 Tassen Kaffee, 5018 Bestellungen beim Lieferservice und 17.000 Clubmate-Flaschen: Auf ihrer Homepage ziehen die Gründer von Prescreen nach vier Jahren eine Zwischenbilanz. Der Anlass ist ein Millionen-Exit. Denn das Business-Netzwerk Xing hat das in Wien ansässige Start-up, das eine cloudbasierte E-Recruiting-Software anbietet, übernommen. Der Basiskaufpreis liegt bei 17 Millionen Euro, teilten die Unternehmen mit.

Von der mühsam hochgepäppelten Firma muss sich das siebenköpfige Gründer-Team indes noch nicht verabschieden: Prescreen soll trotz des Eigentümerwechsels eigenständig bleiben und mit dem bestehenden Team weiterarbeiten. Der Anreiz, weiterhin Energie in das Unternehmen zu stecken, ist groß. Denn erreicht das Start-up unter dem Dach der Xing-Gruppe bis 2020 „ambitionierte operative Ziele“, sieht der Kaufvertrag eine Zusatzzahlung von fünf bis zehn Millionen Euro vor.

„Mit Xing haben wir den idealen Partner gefunden, um unser Wachstum weiter forcieren zu können. Wir freuen uns darauf, ab sofort unsere Kräfte zu bündeln“, so Constantin Wintoniak, Geschäftsführer von Prescreen. Wintoniak hatte das Start-up zusammen mit Nicolas Vorsteher, Alexander Birke, Dominik Hackl, Robert Rainer, Andreas Altheimer und Markus Presle 2013 während des Studiums gegründet.

Software soll vielseitig bleiben

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seither etwa 350 Kunden gewonnen – darunter Großkonzerne wie Unicredit Bank Austria, Beiersdorf und Ströer. Auch namhafte Start-ups wie Runtastic, Urlaubsguru oder Idealo nutzen die cloudbasierte Software. Diese unterstützt HR-Abteilungen beim Recruitingprozess von der Erstellung einer Stellenausschreibung über das Schalten von Anzeigen bis zur Einstellung neuer Mitarbeiter. Prescreen selbst beschäftigt aktuell 27 Mitarbeiter an den Standorten Wien und Berlin.

Xing will Prescreen nun mit bestehenden E-Recruiting-Produkten des Businessnetzwerks verbinden. Wie bisher kann Prescreen aber auch künftig mit anderen Netzwerken und in Verbindung mit Stellenbörsen genutzt werden, versprechen die Hamburger. Die Software lässt sich unter anderem mit Linkedin verknüpfen – der Xing-Konkurrent hatte kürzlich vermeldet, im deutschsprachigen Raum die Marke von zehn Millionen Mitgliedern erreicht zu haben.