Der Münchener Medienkonzern beendet sein Inkubatorprogramm für interne und externe Start-ups und Ideen plötzlich. Auch andere Konzerne haben 2017 ihre Start-up-Spielwiesen gestutzt.

Der Bezahlfernsehsender Sky hat die erst im Sommer 2016 gestartete Innovationsplattform Play Hub für interne und externe Ideengeber mit sofortiger Wirkung gestoppt. Zu entsprechenden Informationen von WiWo Gründer teilte der Sender heute mit: „Wir können bestätigen, dass Sky sein Open Innovation Hub Play ab Januar 2018 nicht weiter fortführen wird.“

Zu den Gründen für das plötzliche Aus äußerte sich der Medienkonzern nur vage: „Sky hat sich nach äußerst zahlreichen positiven Erfahrungen mit Play in den letzten eineinhalb Jahren nun entschlossen, in Zukunft Ideen mit innovativem Potenzial in einem geänderten internen Rahmen auf nationaler sowie gegebenenfalls auch gruppenweiter, europäischer Ebene zu entwickeln.“

Die Entscheidung, den Stecker zu ziehen, fiel im Stillen: Noch im September hatte Julia Laukemann, Senior Vice President Product Development bei Sky Deutschland, auf der Gründerkonferenz Bits & Pretzels für das Programm geworben. Auch auf der Homepage waren zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung noch vom Bewerbungsschluss für die sechste Auflage zu lesen, der Ende Oktober lag. Mitte dieser Woche hätte laut Homepage noch ein finaler Pitchtag stattfinden sollen.

Früher Schluss als geplant war jedoch für die Teilnehmer der fünften Förderrunde. Ursprünglich sah das Konzept vor, nach einer ersten Inkubationsphase (für die alle Teilnehmer einmalig 25.000 Euro erhielten), einige vielversprechende Ideen weitere Monate zu fördern. „Bei Batch 5 fanden die Pitchtage, allerdings kein finaler Pitch mehr statt“, teilte Sky auf Anfrage mit. Der letzte Facebook-Eintrag der Einrichtung datiert auf den 13. November dieses Jahres.

Nach Informationen von WiWo Gründer bewarben sich zudem zuletzt noch einzelne Start-ups und stellten sich zum Teil sogar bei dem TV-Sender vor – erhielten kürzlich dann aber eine Absage. Die Entscheidung für die Einstellung des Programms sei „zeitnah getroffen“ worden, teilte Sky mit.

Schlussstrich statt siebenstelliger Summe

Die Plattform war im August 2016 mit großen Versprechungen gestartet: Auf zwei Etagen plus Dachterasse im Herzen von München sollten die Gründer gemeinsam mit sieben Mitarbeitern von Sky und externen Experten an ihren Ideen basteln. Die Mitarbeiter sollen ab 2018 in anderen Bereichen und Positionen bei Sky arbeiten.

Der Konzern hatte nach eigenen Angaben zum Programmstart für den Play Hub ein siebenstelliges Jahresbudget reserviert. „Die Initiative von Sky ist ein klares Bekenntnis zum Standort und stärkt die Innovationsfähigkeit der Branche“, hatte die bayrische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner den Play Hub zum Start gelobt.

Umbau in vielen Konzernen

Nach Angaben von Sky gab es für den Play Hub insgesamt 200 Einreichungen, aus denen 13 Projekte entstanden sind – neun davon wurden bis zu einem Minimal Viable Product, einem ersten Markttest, weiterentwickelt. Zwei interne Projekte befänden sich bereits in der konkreten Umsetzung, externe Ideen seien zum Teil in weiterführende Accelerator- oder Inkubatorprogramme aufgenommen.

Mit dem Aus zum Jahresende stößt Sky zu einer ganzen Reihe von Konzernen, die 2017 ihre Zusammenarbeit mit Start-ups deutlich überarbeiteten – in der Regel hin zu einem ertragsorientierteren Ergebnis. Die Allianz hatte angekündigt, aus ihrem Accelerator ein reines Investmentvehikel zu machen. Vodafone sucht ab sofort nach Start-ups, die bereits vertriebsfertige oder -nahe Produkte mitbringen. Konkurrent Telefonicá setzt auf eine gemeinsame Projektarbeit. Und Axel Springer stellt seinen Inkubator „Plug and Play“ im Frühjahr 2018 ein, um kurz danach einen Neustart mit Porsche zu wagen.