Höhere Anfangsinvestitionen, längere Entwicklung, engere Märkte: Hardware-Start-ups stehen vor speziellen Herausforderungen bei der Finanzierung. Doch die Offenheit der Industrie wächst – und häufig zahlen sich die richtigen Kontakte aus.

Am Ende kam der Kontakt am Currywurst-Stand zustande: Nach einer Veranstaltung kam Frederik Brantner beim Catering mit einer Mitarbeiterin von Siemens ins Gespräch. Aus dem losen Austausch wurde über die Zeit eine feste Zusage: Im Mai übernahm der Technologiekonzern alle Anteile des High Tech Gründerfonds (HTGF) am Münchener Hardware-Start-up Magazino. Das Unternehmen entwickelt mobile Lagerroboter, die die manuelle Arbeit in der Logistik dank Identifikations- und Greiftechnik ablösen wollen.

Die Finanzierung ist für Magazino damit auf Jahre gesichert – und mehr noch: „Mit dem Namen Siemens bieten wir unseren Mitarbeitern Stabilität“, sagt Brantner, „und es öffnen sich natürlich ganz andere Perspektiven bei Gesprächen mit Lieferanten und Kunden.“ In gut drei Jahren wurde so aus einer Gedankenspielerei ein ernst zu nehmender Anbieter für die Logistikbranche – insbesondere aus dem Versandhandel ist die Nachfrage hoch.

„Nur mit Schweiß komme ich bei Hardware nicht weit“

Zu Beginn sah die Situation ganz anders aus: Aus den Projektskizzen musste ein funktionierendes Produkt entstehen – und das ging direkt ins Geld. Während bei der Software-Entwicklung zu Beginn vor allem die eigene Arbeitszeit investiert wird, müssen Hardware-Start-ups an Spezialbauteile kommen, benötigen technische Unterstützung  – und das alles bitte möglichst schnell.  „Alleine mit meinem eigenen Schweiß komme ich bei Hardware-Themen nicht sehr weit”, sagt Carsten Rudolph, Geschäftsführer der Unterstützer-Organisation Baystart-up. „Mir entstehen als Gründer leicht hohe Kosten, bevor ich überhaupt etwas zeigen kann – und viele Investoren wollen erst einen Prototyp sehen, bevor sie einsteigen.“

Die gute Nachricht: Beobachter sehen Bewegung im Land der Ingenieure und Tüftler. „Wir sehen zunehmend gute Chancen, auch Hardware-Start-ups zu finanzieren“, sagt Rudolph. Business Angel mit Industriehintergrund etwa bringen oft nicht nur Kapital, sondern auch Know-how mit – oder können Bauteile, Maschinen oder Produktionsfläche aus dem eigenen Betrieb zur Verfügung stellen. Magazino konnte in einer frühen Phase einen Partner finden, der etwa auf eigene Kosten einen Schaltschrank montierte.