Mit einem Fokus auf Datenschutz will das polnische Start-up Google Konkurrenz machen. Zu den Investoren gehört Tim Schumacher, Gründer der Adblock Plus-Firma Eyeo.

Über welche Suchmaschine kommen Besucher auf die Internetseite? Wie lange bleiben sie? Was gucken sie sich an? Fragen wie diese beantwortet häufig der Online-Dienst Google Analytics, der auf jeder zweiten Webseite im Hintergrund läuft – und Nutzer auf Schritt und Klick verfolgt. Eine Alternative mit einem besseren Schutz der Privatsphäre will die Open Source-Software Piwik bieten. Zu den Kernentwicklern gehört der polnische Internetunternehmer Maciej Zawadziński. 2013 gründete er eine Firma, die Analyse-Software auf Basis von Piwik entwickelt.

Das Piwik Pro getaufte Start-up, das seit zwei Jahren mit einer Niederlassung in Köln vertreten ist, hat nun nach eigenen Angaben seine erste bedeutende Finanzierungsrunde abgeschlossen. 1,88 Millionen Euro wurden demnach eingesammelt, Hauptinvestor ist die Beteiligungsfirma Warschauer Equity Group (WEG). Eingestiegen ist auch der deutsche Unternehmer Tim Schumacher. Er ist Gründer von Eyeo, der Firma hinter dem populären Werbeblocker Adblock Plus.

„Seit den letzten Jahren entsteht zunehmend eine große Nachfrage nach datenschutzkonformen Analytics- und Marketing-Technologien“, sagt Schumacher. „Piwik PRO hat sich schon sehr früh am Markt positioniert und nimmt eine besondere Stellung ein.“ Das Start-up will nicht nur damit punkten, die Privatsphäre von Internetnutzern zu achten. Es verspricht den Anwenderunternehmen zudem, alleinige Besitzer der auf ihren Webseiten erhobenen Daten zu sein. Gegenüber der frei verfügbaren Open Source-Software bietet Piwik Pro individuelle Anpassungen, zusätzliche Features, einen professionellen Support und Beratung.

Wachstum in Deutschland

Zu den wichtigsten Märkten für das Start-up zählt Deutschland. „Im Hinblick auf Datenschutz, Datensicherheit und die kommende Datenschutzgrundverordnung ab 2018 gewinnen unsere Lösungen zunehmend an Bedeutung“, sagt Alexander Gulentz, Geschäftsführer für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH). Zu den Kunden zählten verschiedene Universitäten, Ministerien und Großunternehmen – darunter der Werkzeug-Handelskonzern Würth. Derzeit beschäftigt Piwik Pro mehr als 50 Mitarbeiter, davon sind bisher vier explizit für die DACH-Region zuständig.

„Die Landesgesellschaft wird von der Finanzspritze sehr gut profitieren, da wir einen Teil des Geldes in das Wachstum und die dazu benötigten personellen Einstellungen des internationalen Geschäftes investieren werden“, sagt Gulentz. Primär solle aber die Produktentwicklung gestärkt werden. Die Marketing-Suite beinhaltet neben der Analytics-Plattform auch Tools, um Inhalte zu personalisieren und Schlagwörter zu verwalten. Die Software können Unternehmen wahlweise auf einem eigenen Server installieren oder über die Cloud nutzen.