Hinter dem Start-up stecken die Wunderlist-Macher. Die hatten ihre Firma vor drei Jahren an Microsoft verkauft – also jenen Konzern, den sie nun angreifen.  

Auf der Webseite von Pitch Software war bis heute Mittag nicht mehr zu finden als eine Kurzbeschreibung und eine Handvoll Stellenausschreibungen. Doch auch wenn es bis zum Marktstart noch dauert – Investoren stürzen sich schon jetzt auf das Anfang des Jahres gegründete Start-up: 19 Millionen Dollar, also knapp 17 Millionen Euro, kamen bei der gerade abgeschlossenen Series-A-Finanzierungsrunde zusammen. Lead-Investoren sind das US-Risikokapitalunternehmen Index Ventures und die in Berlin ansässige VC-Firma Blueyard Capital, die bereits vorher beteiligt war.

Die Vorschusslorbeeren der Geldgeber dürften stark mit dem Gründerteam zusammenhängen: Hinter Pitch stehen die Macher von Wunderlist – einer App für To-Do-Listen, die Microsoft im Juni 2015 für über 100 Millionen US-Dollar übernommen hat. Ausgerechnet den IT-Riesen will das Team um CEO Christian Reber nun angreifen: mit einer neuartigen Präsentationssoftware, die die Vorherrschaft von Microsofts Powerpoint brechen soll.

Slack als Vorbild

„Der Markt ist riesig – und der Frust über existierende Präsentationssoftware ist groß“, sagt Reber im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Punkten will Pitch mit einem modernen Design, der Möglichkeit, gemeinsam an Präsentation zu arbeiten und Integrationen zu anderer Software, die viele Arbeitsschritte erleichtern lassen. Gleichzeitig soll es die Möglichkeit geben, so erstellte Präsentationen leicht zu teilen. „Wir begreifen Pitch als Plattform“, sagt Reber. Als Vorbild nennt der Gründer den Unternehmens-Messenger Slack, der sich seit dem Start 2013 rasant verbreitet hat.

Passenderweise ist Slack auch unter den weiteren Geldgebern der aktuellen Finanzierungsrunde – ebenso wie Frank Thelen, der mit seiner Beteiligungsfirma Freigeist (vormals e42) auch schon Wunderlist unterstützte. „Es war nicht unbedingt unser Ziel, so schnell so viel Kapital aufzunehmen“, sagt Reber. „Aber wenn man die Chance hat, sollte man sie nutzen.“ Das Geld soll in den Ausbau des aktuell 20-köpfigen Teams gesteckt werden. Für Ende des kommenden Jahres rechnet Reber mit 40 bis 50 Mitarbeitern.

Die Konkurrenz ist groß

Das Gründerteam von Pitch besteht aus acht Personen – alle waren vorher Teil von 6Wunderkinder, dem Unternehmen hinter Wunderlist. Die Entscheidung, im vergangenen Jahr Microsoft zu verlassen, sei ihm nicht schwergefallen, sagt Reber. „Die Konzernstrukturen haben nicht zu mir gepasst.“ Versucht hat er sich indes an der Rolle des Investors: Zusammen mit Freigeist investierte er unter anderem in das Flugtaxi-Start-up Lilium. „Die Erfahrungen helfen enorm dabei, nun Pitch schnell groß zu machen.“ Wann genau die Software erscheint, ist indes noch offen. Reber plant aber, in sechs bis zwölf Monaten eine Betaversion zu veröffentlichen.

Ein Selbstläufer dürfte die Software nicht werden. Denn der Markt ist umkämpft. Neben IT-Riesen wie Apple und Google versuchen eine Reihe von Start-ups, Microsofts Vorherrschaft zu brechen. Prominent ist etwa die 2009 erschienene Software Prezi, die auf interaktive Whiteboards setzt. Seither entstehen immer wieder neue Konzepte: Mit einer leichten Daten-Verwaltung will beispielsweise das österreichische Start-up Presono punkten. Dass Pitch vergleichsweise spät startet, ist nach Einschätzung Rebers  kein Nachteil – er vergleicht die Ausgangssituation mit der von Wunderlist. „Es gab auch schon eine Vielzahl von To-Do-Apps, als wir dann durchgestartet sind.“