Gründer aus Thüringen arbeiten an einer Software, um Patienten aus der Klinik einfacher in ein Pflegeheim zu bringen. Investoren unterstützen beim Wachstum.

Mehr Transparenz für Patienten und Angehörige: Um ihre Vermittlungsplattform für Pflegeplätze auf den Weg zu bringen, haben die Gründer von Pflegeplatzmanager aus Thüringen eine Millionenfinanzierung erhalten. Der siebenstellige Betrag kommt unter anderem vom Beteiligungsmanagement Thüringen und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) Thüringen. Über die genaue Summe sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte Pflegeplatzmanager-Geschäftsführer Chris Schiller auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer.

Das Start-up mit Sitz in Greiz in der Nähe von Jena entwickelt eine Software, die pflegebedürftige Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt an freie Pflegeheime vermitteln soll. Dafür registrieren sich Kliniken, Pflege- und Reha-Einrichtungen auf der Plattform und können sich so einfacher über Unterbringungsmöglichkeiten für Patienten austauschen. Auch Betroffene selbst sollen in Zukunft Zugang erhalten und sich über das Portal zu Beratungsangeboten und Ansprechpartnern informieren können. Dem Pflegeplatzmanager-Portal haben sich nach Angaben des Geschäftsführers bislang 14 Kliniken und mehr als 150 Pflegeeinrichtungen in Thüringen und Sachsen angeschlossen, auch Anfragen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern bearbeitet das Team derzeit.

Portal startet offiziell Mitte des Jahres

Mit der neuen Finanzierung soll das Start-up innerhalb eines Jahres von zwei auf mehr als 20 Mitarbeiter wachsen und möglichst schnell weitere Kliniken und Pflegeeinrichtungen bundesweit als Kunden auf die Plattform ziehen. Ab Mitte des kommenden Jahres soll die Plattform als eine Art Marktplatz für Pflege vollumfänglich nutzbar sein. Ziel sei es, die Transparenz bei freien Pflegeplätzen zu erhöhen und die Kommunikation zu vereinfachen, sagt Gründer Chris Schiller. „Als Pflegeheimleiter haben wir jeden Tag zehn bis 15 Anrufe von Kliniken bekommen, zum Teil doppelt, obwohl wir bereits gesagt hatten, dass wir keinen Platz frei haben“, so Schiller im Gespräch mit WiWo Gründer.

Für die Vermittlung fragt Pflegeplatzmanager nur sogenannte pseudonymisierte Personendaten an, um das Risiko für den Datenschutz zu reduzieren. Weder Namen, Adressen, noch Geburtsdaten seien auf der Plattform zu finden, sagt der Geschäftsführer. Stattdessen erhalten Patienten eine Identifikationsnummer und geben zum Beispiel nur ihr Geburtsjahr und einen Wunschwohnort an. „So sind Rückschlüsse auf reale Personen nicht möglich“, so Schiller.

Gegründet haben er und sein Co-Geschäftsführer Alexander Bauch erst im Februar, die Idee entstand bereits im Sommer 2016 als beide noch selbst als Leiter von Pflegeeinrichtungen tätig waren. „Ein Schlüsselmoment vor der Gründung war, dass ich an einem Tag drei Angehörigengespräche hatte, und jedes Mal sagen musste, dass ich nicht weiterhelfen kann“, so Schiller. „Zwei Personen haben in Tränen aufgelöst den Raum verlassen, mit dem Wissen das der pflegebedürftige Angehörige aber in zwei Tagen aus der Klinik entlassen werden soll.“

Monatspauschale statt Werbung

Um sich von den zahlreichen Konkurrenzangeboten abzuheben und als seriöser Anbieter auftreten zu können, will die junge Firma nach eigenen Angaben überwiegend auf Werbung verzichten. „Wir haben damit zu kämpfen, nicht in eine Ecke gestellt zu werden mit den herkömmlichen Pflegeplatzvermittlern, die teilweise vierstellige Vermittlungsgebühren für einen Platz verlangen“, sagt der Geschäftsführer. Die registrierten Einrichtungen zahlen eine Monatspauschale für einen vollen Zugang oder nutzen eine kostenfreie Basisversion.

Mit dem Thema Pflege sichern sich Start-ups immer wieder kräftige Finanzspritzen von Investoren. Im April hat die Digital Health-Plattform Careship aus Berlin sechs Millionen Euro erhalten, im Mai hat das in Großbritannien ansässige Homecare-Start-up Cera in einer Series-A-Runde 17 Millionen US-Dollar eingesammelt.