Das Konzept soll für alle Seiten eine Win-win-Situation sein, auch für die Gesellschaft: „Während meiner Zeit als angestellte Unternehmensberaterin ist mir aufgefallen, dass wir in Deutschland enorm viel Wirtschaftspotenzial einbüßen, weil pflegende Angehörige gar nicht oder nicht mehr konzentriert arbeiten können“, sagt Rodewald. Jeder sechste Pflegende müsse seinen Beruf aufgeben. 19 Milliarden Euro betrage der Verlust.

Das merken auch die Unternehmen. Rund 30 Firmen und Institutionen (darunter Evonik, die Stadtwerke München und die Universität Lübeck) haben Amiravita bereits beauftragt, damit ihre Mitarbeiter trotz Pflege im Job bleiben. Eine „KiTa“ für Pflegebedürftige umzusetzen, hat sich allerdings noch kein Unternehmer getraut. „Aber das ist nur eine Frage der Zeit“, meint Rodewald.

Tatsächlich sind derzeit bereits knapp drei Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Bis in die 2040er-Jahre wird die Zahl weiter steigen. Schon in einigen Jahren werden wir mehr Pflegebedürftige haben als Berlin Einwohner.

Pflegemittel-Lieferando im Monatsabo

Waschen, füttern, Bettschüsseln leeren – Pflege gilt eigentlich nicht als „sexy“. Dennoch springt die Start-up-Szene auf das Pflegethema an, auch die typischen digitalen Start-ups. Für Furore in der Szene sorgt zum Beispiel Pflegebox, ein 2011 gegründetes Berliner Unternehmen, das pflegenden Privatleuten jeden Monat eine Box mit Pflegeutensilien zusendet und hilft, die Kosten der Hilfsmittel (40 Euro) von der Kasse erstattet zu bekommen. Vergangenes Jahr erhielt das Start-up eine Investition in siebenstelliger Höhe, im Februar gab es die zweite Millionen-Finanzspritze. Zu den Investoren zählen unter anderem das Versandhaus Klingel, die IBB Beteiligungsgesellschaft. Gleich mehrere Nachahmer haben die Idee des Pflegemittel-Lieferandos abgekupfert: Pflege-Paket.de, Pflegemittelgratis.de, Sanubi und Hygibox.