Die Berliner Foto-App EyeEm sorgte schon mehrfach für Furore. Nun erhält das Start-up 18 Millionen Dollar – unter anderem von Starinvestor Peter Thiel. Es ist noch nicht lange her, da lästerte Peter Thiel über die „pessimistischen Nichtstuer“ in Europa und das „sozialdemokratische Denken“ der hiesigen Gründerszene. Doch offenbar sind auch in der Partyhauptstadt Berlin Unternehmen entstanden, deren Potenzial den Star-Investor überzeugt.

So gab Thiels Fonds Valar Ventures heute gleich zwei Investments bekannt. Er beteiligt sich an dem Fintech-Start-up Number26 und der Berliner Foto-App EyeEm. Das 2011 gegründete Start-up erhält 18 Millionen Dollar von seinem Fonds Valar Ventures, sowie den bisherigen Investoren, darunter Earlybird, Wellington Partners oder Business Angel Christoph Maire.

EyeEm ist als Konkurrent zum populären Instagram gestartet und sorgte erstmals für Furore, als Facebook den Fotodienst geschluckt hatte. Nachdem Instagram daraufhin seine Nutzungsbedingungen geändert hatte, wechselten zahlreiche Menschen zu den Berlinern. Anfang 2013 verfünffachten sich die täglichen Downloadzahlen auf 50 000 und EyeEm lag im App-Store als beliebteste Foto- & Videoanwendung zeitweise sogar vor Instagram und Youtube.

Damals kursierte sogar das Gerücht, Mark Zuckerberg hätte sich bei einem Berlinbesuch EyeEm angeschaut, um eine Übernahme zu prüfen – stattdessen steigt mit Thiel nun Facebooks erster Geldgeber ein.

Das Rennen gegen Instagram ist derweil längst verloren. Inzwischen hat der Dienst zwar 13 Millionen Nutzer – Instagram meldete dagegen im Vorjahr 150 Millionen monatlich aktive Anwender. EyeEm wird dafür jedoch von ambitionierten Hobbyfotografen genutzt und genau dort sehen die Berliner auch ihren Markt. „Bei uns geht es eher um qualitativ hochwertige Bilder statt um Selfies“, sagt EyeEm-Gründer Florian Meissner. „Wir wollen mehr bieten als eine App zum Fotos machen, Filter drauflegen und auf Facebook zu nerven.“

Das Potenzial der Smartphone-Fotografie hat auch die Bildagentur Getty Images erkannt, die seit einem Jahr Fotos von EyeEm lizenziert. Seit Ende März bietet Meissner seinen 13 Millionen Nutzern zudem einen Markt für den Verkauf der Bildern an. „Dort finden sich schon 50 Millionen Fotos, die in über 35 Länder verkauft wurden“, sagt der EyeEm-Gründer. Zudem können Unternehmen über spezielle Missionen Motive in Auftrag geben. Zu den Kunden gehören Mercedes, Lufthansa, Boston Consulting Group und Uber.

Damit hat Meissner genau das zum Geschäftsmodell gemacht, was viele Nutzer einst von Instagram zu den Berlinern getrieben hat: Den Verkauf ihrer Bilder. „Doch wir verkaufen kein Bild ohne Zustimmung der Nutzer“, betont Meissner. Die Einnahmen werden geteilt.

Mit dem frischen Kapital will EyeEm vor allem die Technologie weiterentwickeln. „Wir versuchen hochwertige Fotos aus dem digitalen Nirvana herauszufiltern“, sagt Meissner. Dazu entwickelt das Unternehmen Algorithmen, die erkennen, was auf den Bildern ist, um sie automatisch zu verschlagworten und so über den Marktplatz auffindbar zu machen. Die Bilderkennung soll sogar entscheiden, ob ein Foto schöner ist als ein anderes.

Neben EyeEm hat Thiel, der als Mitgründer von PayPal bekannt wurde, noch Gefallen an einem weiteren Berliner Start-up gefunden. Er beteiligte sich am Fintech-Start-Up Number26, das ein Girokonto für das Smartphone anbietet. Die Finanzierungsrunde brachte 10,6 Millionen Dollar ein.