Im deutschen Journalismus herrscht wieder Gründergeist. Die Teams von Perspective Daily und Piqd treibt ihr Idealismus – aber eben nicht nur der.

Von Jens Twiehaus

Sie sollten öfters in Kreuzberger Cafés sitzen. Das Team von Perspective Daily hat gerade ein Interview gegeben, mitten im Berliner Kaffeehaus-Trubel, da steht ein Gast vom Nebentisch auf und sagt: „Hi, ich finde gut, was ihr macht.“

Maren Urner, Han Langeslag und Bernhard Eickenberg gründeten die Journalismus-Plattform Perspective Daily. Sie wollen konstruktiven Journalismus machen, was bedeutet: Sie berichten auf ihrer Seite nicht einfach über Probleme, sondern über Vorschläge, wie sie gelöst werden können.

Urner und ihre Kollegen sind ein Beispiel für neuen Gründermut im Journalismus. Aus Medien-Visionen werden derzeit häufiger Business-Konzepte. Das ist bei Perspective Daily so und auch bei Piqd, einer Plattform, auf der 80 Experten handverlesene Artikel empfehlen. Beide Plattformen sind inhaltlich unterschiedlich, doch ihre Gründer denken ähnlich: Sie planen strategisch, sie tun es nicht fürs Millionen-Exit und sie lassen Journalismus nicht nur von klassischen Journalisten machen.

Perspective Daily lernt aus Fehlern

Beispiel Perspective Daily, mit Sitz in Münster: Keiner der drei Gründer hat vorher in einer Redaktion gearbeitet. Maren Urner ist promovierte Neurowissenschaftlerin, der gebürtige Niederländer Han Langeslag kam über Volkswirtschaft und Psychologie ebenfalls zur Neurowissenschaft und Bernhard Eickenberg studierte Chemie, machte seinen Doktor dann in Physik.

Urner und Langeslag, die privat ein Paar sind, begeisterten sich für die Frage nach einer besseren Gesellschaft – und stießen auf die Idee des konstruktiven Journalismus. Ein erstes Projekt scheiterte, das Team zerbrach, aber Urner und Langeslag erzählen heute, wie wertvoll der Misserfolg für den Neustart war. „Wir haben fast ein Jahr Fehler gemacht und die wollen wir jetzt vermeiden“, sagt Urner.

Ihr Projekt Perspective Daily ist deshalb von Beginn an ein Vollzeit-Projekt, kein Feierabend-Vergnügen. Das Team ergatterte ein Exist-Gründerstipendium, von dem auch der hinzugestoßene Eickenberg seit August lebt. Seit Monaten konzipieren und programmieren sie, touren durch Deutschland, um ihre Idee vorzustellen.

Bis Juli sind die Einkünfte des Teams gesichert. Danach sollen Mitglieder Perspective Daily finanzieren. 12.000 Abonnenten müssen bis zum kommenden Sonntag um Mitternacht je 42 Euro beim Crowdfunding überwiesen haben. Sonst bleibt Perspective Daily nur ein Traum.