Gründer müssen beharrlich sein. Aber Martin Fröhlich ist, mit Verlaub, fast schon aufdringlich. Immer wieder ruft er an: Einen Artikel? Mit Foto? Möglichst groß?

Man würde ihn gerne abwimmeln. Aber das geht nicht.

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Die PaperC-Gründer

Felix Hofmann (2. v. l.), Lukas Rieder (Mitte) und Martin Fröhlich (2. v. r.) und ihre neuen Investoren von der Leiziger CFH Beteiligungsgesellschaft, die einen sechsstelligen Betrag in PaperC investiert haben (Foto: PaperC / zum Vergrößern bitte anklicken).

Dafür ist die Idee, die Fröhlich und seine Mitgründer Felix Hofmann und Lukas Rieder hatten, einfach zu gut: Wer sich auf der Web-Plattform von PaperC anmeldet, kann mehrere Tausend Fachbücher komplett lesen – gratis. Nur das Ausdrucken und Bearbeiten der Seiten kostet Geld. Für Studierende ist das ein interessantes Angebot, für die Verlage ein spannendes Geschäftsmodell.

Das überzeugt auch Investoren: Der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) investiert eine sechsstellige Summe in das Startup und bietet den Gründern die Perspektive, sich in 18 Monaten auch an einer zweiten Finanzierungsrunde zu beteiligen. Mit dem Geld soll die Plattform weiter verbessert und das Marketing intensiviert werden, kündigt Investment Direktor Friedemann Stier von der CFH Beteiligungsgesellschaft an. „Außerdem ist unser Investment ein wichtiges Signal an die Verlage, dass PaperC Ihnen in Zukunft eine verlässliche Möglichkeit bietet, Ihre Formate auch über das Internet zu vermarkten“, betont Stier. „Wir gehen davon aus, dass jetzt noch mehr Verlage Inhalte auf der Plattform einstellen.“

Für die drei Gründer, die zuvor schon namhafte Business Angels wie den Berliner Entrepreneurship-Professor Günter Faltin und den Gate-5-Gründer Christophe Maire an Bord geholt hatten, könnte das der Durchbruch sein.
Und es ist der richtige Zeitpunkt, sie endlich mal zu interviewen!

Gründerraum: Glückwunsch! Trotz Krise ist es Ihnen gelungen, den Technologiegründerfonds Sachsen an Bord zu holen. Wie schwer war es, die Investoren zu überzeugen?

Martin Fröhlich: Einige Risikokapitalgeber aus Deutschland und Großbritannien kamen auf uns zu und letztendlich haben wir uns für einen Investor aus Deutschland entschieden, der uns von Anfang an sympathisch war und unsere Vision verstanden hat.
Felix Hofmann: Viele Investoren setzen leider viel zu oft auf Copycats aus den USA. Als deutsches Start-Up mit einer neuen Idee hat man es nicht sehr leicht. Für den TGFS war es aber ein Vorteil, dass wir ein sehr innovatives Modell für Paid-Content, also kostenpflichtige digitale Inhalte,entwickelt haben.

Apropos Copycat: Google war in den letzten Monaten oft in den Schlagzeilen, weil es Bücher eingescannt und online verfügbar gemacht hat. Auch PaperC stellt Fachbücher ins Netz – vollständig. Haben Sie schon einen guten Anwalt?

Fröhlich: Den brauchen wir nicht.
Hofmann: Wir stellen die Bücher nur mit dem Einverständnis der Verlage ins Netz. Unsere Idee ist einzigartig – und Unternehmen wie Walter de Gruyter und Oxford University Press haben das schon erkannt.

Was genau macht PaperC so besonders?

Fröhlich: Auf PaperC kann man jedes Fachbuch von der ersten bis zur letzten Seiten kostenlos lesen. Unsere Plattform ist wie ein virtueller Schreibtisch: Wer sie nutzt, kann Tausende Bücher mit Notizen versehen, Textstellen farblich markieren und diese letztendlich ausdrucken und downloaden. Dadurch sparen die Nutzer viel Geld.

Und warum machen die Verlage das mit?

Fröhlich: Heute werden Fachbücher an den Unis seitenweise kopiert – dafür bekommen die Urheber aber nur Peanuts von der VG Wort, die von den Betreibern der Kopiererläden Gebühren erhebt. Und für Ausdrucke von illegal eingescannten Büchern bekommen sie gar nichts.
Hofmann:
Wenn die Verlage die Bücher dagegen auf PaperC einstellen, verdienen sie mehr! Denn wir gehen davon aus, dass viele Nutzer die individualisierten Bücher weiterhin ausdrucken wollen. Und für einen Ausdruck müssen sie nach wie vor zahlen – etwa 10 Cent pro Seite. Und zwar nicht an die VG Wort, sondern an uns. Wir wiederum beteiligen die Verlage an den Einnahmen.

Ist es Ihnen schwer gefallen, die Verlage rumzukriegen?

Hofmann: Das erste Gespräch war in der Tat sehr schwierig: Da haben uns die Geschäftsführer erstmal einen Vogel gezeigt, sich dann aber nicht wie geplant 45 Minuten, sondern drei Stunden für uns Zeit genommen.
Fröhlich:
Und dann haben wir denen das Gesicht gewaschen und die Augen geöffnet. Inzwischen will eigentlich jeder mit machen. Übrigens auch viele mittelständische Verlage, denen es sonst viel schwerer fällt, ihre Bücher an den Mann zu bringen.

Wie wichtig ist die Investition des Technologiegründerfonds, um noch mehr Verlage zu überzeugen?

Fröhlich: Dies ist uns sehr wichtig, da PaperC längerfristig für die Verlage eine weitere Vertriebsmöglichkeit bietet und dazu bis zum Break-Even eine kräftige Finanzspritze benötigte. Diese haben wir jetzt endlich und können somit den Verlagen zeigen, dass wir erstmal durchfinanziert sind und jetzt erst richtig unser Geschäftsmodell auf mehrere Beine stellen können. Davon profitieren langfristig die Verlag und wir.

PaperC lief lange nur in der Betaphase. Gab es Schwierigkeiten?

Rieder: Im Gegenteil! Mit dem Beginn des Wintersemesters an den Universitäten rechnen wir mit einem Ansturm von Nutzern. Wir wollen Weltmarktführer werden – und nebenbei die ganze Wertschöpfungskette der Verlage verändern.

Welche anderen Zielgruppen außer Studenten wollen Sie mit PaperC erreichen?

Fröhlich: Vor allem für Praktiker, Unternehmensberater, Coaches und Rechtsanwälte wird PaperC eine hervorragende Arbeitsplattform werden. Es ist jetzt nur noch unsere Aufgabe den Content auf weitere Fachgebiete auszudehnen.

Wie sind Sie auf die Idee zu PaperC gekommen?

Hofmann: Während meines Studiums bin ich immer zwischen St. Gallen und Berlin gependelt und hatte einige Male so viele Bücher dabei, dass ich Übergepäck zahlen musste und fast zusammen gebrochen bin.
Fröhlich: Da haben wir uns gefragt: Wie kann es gelingen, Bücher online verfügbar zu machen, so dass man von überall auf der Welt auf sie zugreifen kann ohne dafür viel zu bezahlen? Die Antwort heißt PaperC.

Danke für das Gespräch!

Martin Fröhlich, 26 Jahre alt, ist Geschäftsführer der PaperC GmbH und kümmert sich um Marketing und „mediale Aufmerksamkeit“. Während seines Wirtschaftsstudiums an der FHW Berlin arbeitete er bei Siemens, der Rechtsanwaltkanzlei Hammonds und in zwei Forschungsprojekten.

Felix Hofmann, 26 Jahre alt, ist bei PaperC Geschäftsführer für Strategie und Controlling. Vor der Gründung hat er an der Universität St.Gallen den Studiengang Technologiemanagement sowie Wirtschaftswissenschaften an der FHW Berlin studiert.

Lukas Rieder, 22 Jahre alt, ist bei PaperC Chefentwickler der Plattform.