Durch Vorbestellungen für eine neuartige Panorama-Kamera hat Panono mehr als eine Million Dollar eingenommen. Doch die Berliner bekommen es mit Nachahmern zu tun.

Die meisten Diplomarbeiten liest nach dem Gutachter niemand mehr, Jonas Pfeils Abschlussarbeit an der TU Berlin haben inzwischen schon mehr als 3,5 Millionen Menschen bewundert. So oft wurde das 2011 gedrehte Video seiner Wurfkamera angesehen. Der grüne Ball kann mit 36 eingebauten Kameras komplette Rundumbilder erstellen. „Das sind Fotos, in denen man sich umgucken und hereinzoomen kann“, schwärmt Pfeil. 360-Grad-Bilder sieht man inzwischen zwar oft, doch in der Regel müssen dafür mehrere Bilder gemacht werden. Gerade bei Personen und Bewegungen ist das schwierig. Pfeils Kamera macht nach dem Hochwerfen auf dem Scheitelpunkt dagegen gleichzeitig 36 Bilder mit insgesamt 108 Megapixel Auflösung. Zudem kann man diese nicht nur ringsum betrachten, sondern auch nach oben und unten.

Viele Interessenten wollten so ein Gerät haben und nun ist das von Pfeil gegründete Startup Panono endlich soweit. Mit seinen Mitstreitern Björn Bollensdorff und Qian Qin hat er die Kamera von der Größe eines Handballs auf die eines Tennisballs geschrumpft. Vor allem aber haben sie ausgetüftelt, wie man sie auch in Serie herstellen kann. Wichtige Unterstützung gibt dabei der frühere Leica-Chef Ralf Coenen.

Bis zu diesem Wochenende konnten Interessenten das Gerät zum Vorzugspreis von 499 Dollar vorbestellen, im Juli sollen die ersten Kameras geliefert werden. 1,25 Millionen Dollar hat Panono so auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo eingesammelt. Für die Berliner war seit einiger Zeit klar, dass sie diesen Weg der Finanzierung wählen. „Das Schöne am Crowdfunding ist, dass man keine Unternehmensanteile abgeben muss“, begründet Pfeil. Zudem helfe das Feedback der tatsächlich interessierten Kunden bei der Produktentwicklung. So hätten viele nach Befestigungsmöglichkeiten gefragt, manch einer will die runden Kameras sogar an Drohnen befestigen. Panono hatte eine Stativ-Halterung auch vorgesehen, wird diesen Aspekt aber nun stärker berücksichtigen.

Denn die Herstellung beginnt erst, Pfeil entscheidet demnächst wo die Kameras gebaut werden. Einige Fabriken hat er schon besichtigt, Standorte in Asien sollen es wegen der Entfernung möglichst nicht sein: „Die Fertigung erfolgt ziemlich sicher in Europa, vielleicht sogar komplett in Deutschland“.

Inzwischen arbeiten jedoch auch andere Unternehmen an runden Panorama-Kameras. Die Bublcam aus Kanada hat auch per Crowdfunding Geld eingesammelt, allerdings nur knapp 350.000 Euro. Unangenehmer könnte Serveball aus Boston sein. Das Unternehmen arbeitet an einer ähnlichen Kamera namens Squito sowie dem Darkball, der mit Infrarot-Leuchtdioden auch im Dunkeln Aufnahmen machen soll. Die Serveball-Entwicklungen sind noch nicht so weit, wie Panono, dafür protzt Unternehmensgründer Steve Hollinger mit verschiedenen Patentanträgen. Und auch Nikon hält in Japan ein Patent für den Auslösemechanismus von Wurfkameras.

Trotzdem gibt sich Pfeil gelassen, der ebenfalls ein Patent für seine Erfindung eingereicht hat. „Soweit wir wissen, verletzen wir keine Patente“, sagt Pfeil. Ansonsten zeige die Konkurrenz, dass es offenbar Bedarf und einen Trend zu Panoramatechnologie gebe. „Und keine andere Kamera hat eine annähernd vergleichbare Auflösung“.