Freiberufler müssen oft lange auf ihr Geld warten. Mit Pagido haben die Gründer einen Ausweg für alle Leidensgenossen geschaffen.

Wochenlang hatte David Harnasch gewartet, bis seine Rechnungen bezahlt wurden. Mehrmals telefonierte er Auftraggebern hinterher, einige verprellte er damit auch. „Das ist nicht nur nervig, sondern im schlimmsten Fall sogar existenzbedrohend“, sagt der Journalist, der viele Jahre frei gearbeitet hat. Freelancer kennen das Problem: Sie arbeiten stets auf Rechnung. Bis die beglichen ist, vergehen oft Wochen.

Damit Selbstständige nicht in finanzielle Not geraten, hat Harnasch gemeinsam mit dem Ex-Banker und Seriengründer Ulrik Deichsel und dem IT-Berater Florian Höppner das Start-up Pagido gegründet. Freiberufler können dort ihre Rechnung einreichen und erhalten binnen zwei Tagen 80 Prozent der Forderung ausgezahlt.

Die Berliner kümmern sich um die gesamte Korrespondenz mit dem Auftraggeber und die Zahlungsabwicklung. Sobald die Rechnung beglichen wurde, erhält der Freelancer weitere 15 Prozent überwiesen, die restlichen fünf Prozent behält Pagido als Gebühr ein.

Für dieses sogenannte Factoring kooperiert das Start-up mit Spezialisten wie CreFo Factoring Stuttgart. Unter Factoring wird der Verkauf von Forderungen verstanden und muss durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, erlaubt werden. Da Pagido lediglich an Factoring-Unternehmen vermittelt, unterliegt das Start-up nicht dieser Erlaubnispflicht, wie die BaFin auf Anfrage mitteilte.

Über Jahrzehnte ging es im Factoring-Gewerbe in der Regel um mindestens vier- oder fünfstellige Beträge. Einige hundert Euro waren für etablierte Factoring-Unternehmen schlicht nicht lukrativ genug.

Selbständige werden für die Branche nun aber zunehmend wichtiger, wie Alexander Moseschus, Geschäftsführer vom Deutschen Factoring-Verband, bestätigt. Für Zahnärzte hat sich beispielsweise ein eigener Factoring-Zweig entwickelt. Entsprechende Anbieter übernehmen teilweise die gesamte Abrechnung von Zahnärzten.

Für Moseschus sind die Vorteile für Selbständige und Freischaffende offensichtlich: „Privatkunden verschafft das Liquidität und kleineren Firmen Wachstumsmöglichkeiten.“

Vorbild für Pagido ist das amerikanische Start-up Fundbox, das in den Vereinigten Staaten seit August 2013 Factoring für kleine und mittlere Unternehmen anbietet. Fundbox konnte seit Marktstart mehrere tausend Kunden gewinnen. Im April erhielt das Unternehmen aus San Francisco eine Finanzierung über 17,5 Millionen Dollar.

Pagido konnte bislang Axel Springer Plug and Play, Uwe Horstmann (Project-A-Gründer) und Johannes von Borries als Investoren gewinnen, die insgesamt 100.000 Euro als Finanzierung zur Verfügung gestellt haben.

Ursprünglich wollten sich David Harnsch und seine Mitgründer vor allem auf den Medienbereich konzentrieren, darunter Journalisten und Fotografen. Mittlerweile melden sich aber auch Headhunter, Pflegedienstfirmen und sogar Blumenhändler und wollen den Service in Anspruch nehmen.

„Es gibt offenbar einen viel höheren Bedarf unter Freelancern als wir angenommen hatten“, sagt Harnasch. Ihr Angebot wollen sie nun schnellstmöglich auch für diese Branchen optimieren.