Entrepreneure überschätzen sich und ihre Fähigkeiten oft. WiWo Gründer erklärt, wie es dazu kommt und warum Selbstüberschätzung manchmal eher ein Vorteil denn ein Nachteil ist.

Fast alle Menschen neigen dazu, sich als intelligenter und fähiger einzuschätzen, als sie es tatsächlich sind. Der bekannte Verhaltensökonom Richard Thaler hat die Selbstüberschätzung gar als „das wohl stabilste Phänomen der Entscheidungspsychologie“ bezeichnet. Doch manche Menschen fallen diesem Trugschluss mehr anheim als andere, Gründer zum Beispiel.

Overconfidence (wörtlich in etwa „Übermäßiges Vertrauen“) nennen Psychologen ein zu starkes Vertrauen in die Richtigkeit der eigenen Urteile. Ob jemand zu selbstsicher bei den eigenen Urteilen ist, lässt sich einfach testen. Und zwar in dem man demjenigen einige Wissensfragen stellt und ihn anschließend einschätzen lässt, wie viele der Antworten wohl richtig sind. Tippt er oder sie auf mehr als tatsächlich richtig beantwortet wurden, ist es ein Fall von Overconfidence.

Eng mit dem Übervertrauen in eigene Urteile verbunden ist der so genannte „Better-Than-Average“-Effekt, das ist die Meinung, fähiger, moralischer oder sonst irgendwie besser zu sein als der durchschnittliche Mensch. In Studien hält sich stets ein Großteil der Befragten für überdurchschnittlich gut: überdurchschnittlich gut im Autofahren, überdurchschnittlich sportlich, überdurchschnittlich widerstandsfähig gegen den Medieneinfluss. Doch statistisch gesehen können nur einige von ihnen damit richtig liegen. Paradoxerweise glauben viele von uns sogar, überdurchschnittlich gut darin zu sein, sich nicht selbst zu überschätzen. „Ein blinder Fleck für Urteilsfehler“, haben Wissenschaftler diesen Gegensatz getauft.

Erfolgsaussicht: 100 Prozent

Damit nicht genug. Auch die Zukunft überschätzen wir häufig: Während wir für die Welt als Ganzes oft eine düstere Zukunft prognostizieren, erwarten wir für unser eigenes Leben rosige Zeiten und stetige Verbesserungen. Psychologen sprechen vom „unrealistischen Optimismus“.

Fast alle Menschen gehen diesen sogenannten Kognitiven Biases (Denkfehler oder Wahrnehmungsverzerrungen) auf dem Leim. Selbst klinische Psychologen bei der Einschätzung ihrer Diagnosen und Professoren in Bezug auf ihre Lehrfähigkeiten. Doch bei Gründern sind Selbstüberschätzung und Über-Optimismus besonders stark ausgeprägt.