Wachstumskapital ist für viele Start-ups schwer zu haben. Das Berliner Start-up Orderbird macht vor, wie es geht.

Für die Orderbird-Gründer Jakob Schreyer, Bastian Schmidtke und Patrick Brienen ist die Runde ein Coup, denn das Start-up sichert sich nicht nur frisches Kapital, sondern einen strategischen Partner. Der Investor ist ConCardis, ein Spezialist für die bargeldlose Zahlungsabwicklung mit Sitz in Eschborn und rund 30-jähriger Historie. Neben ConCardis beteiligen sich nach Angaben von Orderbird Privatinvestoren aus den USA und Luxemburg sowie Altinvestoren an der Finanzierungsrunde. Für Orderbird ist es das größte Investment seit der Gründung im Jahr 2011. Zuvor hatte das Start-up bereits bei Business Angels und Investoren mehrere Millionen Euro eingesammelt – unter anderem im Jahr 2012, als sich Alstin, die Beteiligungsfirma von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, beteiligt hatte.

Was Orderbird mit dem frischen Kapital vorhat und welche Synergien er sich vom neuen Partner verspricht, erläutert Gründer und CEO Jakob Schreyer im Interview mit dem Gründerraum.

Zehn Millionen Dollar für Wachstum und neue Produkte: Gründer und CEO Jakob Schreyer will Orderbird zu Europas Marktführer für Tablet-basierte Kassensysteme machen. Foto: Oderbird

Zehn Millionen Dollar für Wachstum und neue Produkte: Gründer und CEO Jakob Schreyer will Orderbird zu Europas Marktführer für Tablet-basierte Kassensysteme machen. Foto: Oderbird

Herr Schreyer, zehn Millionen Dollar Investment sind für viele deutsche Startups schwer zu kriegen – Wachstumskapital gilt gerade hierzulande als besonders knapp. Wie lange haben Sie sich um die Finanzierung bemüht?
Schreyer: Seit unserer Gründung 2011 haben wir die Augen nach einem strategischen Investor offen gehalten, der uns neben Kapital auch einen inhaltlichen Mehrwert bietet. Bisher waren wir strategischen Investoren zu klein und das Risiko zu groß. Mit ConCardis haben wir zunächst vier Monate beschnuppert. Dann haben wir die Verhandlungen aufgenommen und uns auf Herz und Nieren geprüft, bevor das Investment stand. Diese Finanzierungsrunde war deutlich aufwändiger und komplizierter als unsere bisherigen.

Womit haben Sie ConCardis überzeugt?
Im deutschsprachigen Raum sind wir Innovationsführer und treiben neue Entwicklungen im Bereich Mobile Payment voran. In der Vergangenheit haben wir namhafte Kooperationspartner wie PayPal gewonnen. Mit Orderbird haben wir es geschafft, in sehr kurzer Zeit mehr als 2.700 Kunden im anspruchsvollen B2B-Bereich zu gewinnen und so bewiesen, dass wir schnell skalieren können, wenn wir die Weichen auf Wachstum stellen. Wir konnten so zeigen, dass wir auf digitalen Vertriebswegen sehr erfolgreich sind – gerade dort, wo ältere Unternehmen noch Nachholbedarf haben. Wir können nun umgekehrt die klassischen Vertriebswege von ConCardis nutzen und unsere Produkte verbinden – beide Unternehmen ergänzen sich also sehr gut. Außerdem sind sowohl Orderbird als auch ConCardis im Gastronomiemarkt außerordentlich aktiv. Gemeinsam arbeiten wir künftig in der Produktentwicklung zusammen. Wir lernen in vielen Bereichen voneinander.

Konnten Sie ConCardis mit Gewinnen beeindrucken?
Wir haben ConCardis vor allem mit unserem Marktwachstum sowie unserem Produkt beeindruckt. Orderbird gehört zu den führenden iPad-Kassensystemen im deutschsprachigen Raum – und sogar auf internationalem Parkett. Unser Fokus ist daher zu wachsen, bevor uns Wettbewerber den europäischen Markt streitig machen. Dabei hilft uns das neue Kapital, mit dem wir die internationale Expansion vorantreiben und unser Produktportfolio erweitern.

Was genau haben Sie vor?
Erst einmal wollen wir in auf dem Markt Deutschland-Österreich-Schweiz noch weiter wachsen und unsere Rolle als Marktführer festigen. Dann wollen wir im Ausland wachsen, etwa in Großbritannien, um zum europäischen Marktführer für Tablet-basierte Kassensysteme zu werden, bevor die Konkurrenz das schafft. Und schließlich wollen wir unser Produkt um weitere Dienstleistungen am Point of Sale ergänzen und auch über die Gastronomie hinaus anbieten. Bereits jetzt haben wir eine große Nachfrage von kleinen und mittelständischen Betrieben – etwa Friseuren, Blumenläden, Kiosken. Das alles wird erstmal Geld kosten, aber am Ende noch mehr einspielen.

Wo sehen Sie dabei die größten Schwierigkeiten?
Der Markt der Kassensysteme ist sehr attraktiv, aber auch hart umkämpft – sicherlich werden auch andere Unternehmen versuchen, auf dem europäischen Markt schnell zu wachsen. Auch wir wollen unser Team in den kommenden sechs Monaten von etwa 60 auf gut 100 Mitarbeiter vergrößern. In Berlin suchen allerdings viele junge Unternehmen Vertriebler und Entwickler. Da kann es schwer werden, schnell richtig gute Leute zu bekommen – auch wenn wir in der Start-up-Szene inzwischen ein begehrter Arbeitgeber sind.

Welchen Preis hat die Finanzierungsrunde, wie viele Anteile geben Sie an ConCardis ab?
Nur so viel: Zusammen mit unseren Angel-Investoren, die uns seit der Gründung unterstützen, halten wir als Gründer auch in Zukunft die Mehrheit an Orderbird.