Die Berliner Entwickler eines Kassensystems für die Gastronomie wollen nun auch Finanzdienste anbieten. Investoren helfen mit einem Millionenbetrag nach.

Um neue Angebote für die Gastronomie zu entwickeln, hat sich das Start-up Orderbird aus Berlin eine Millionenfinanzierung gesichert. Zur genauen Investmentsumme der Serie-D-Runde machte das Unternehmen auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer keine Angaben. Das frische Kapital für die Entwickler eines Kassensystems kommt zum Teil von Bestandsinvestoren, zu denen Carsten Maschmeyers Investmentfonds Alstin gehört. Neu eingestiegen sind die Investmentgesellschaft von Max Iann sowie ein Family Office. Zusätzlich erhält die junge Firma einen siebenstelligen Kredit bei der Deutschen Handelsbank.

Orderbird entwickelt ein mobiles Kassensystem für Restaurants, Bars und Cafés, das zum Beispiel auf dem iPad oder iPhone läuft. Über die Software lassen sich so Bestellungen direkt am Tisch aufnehmen und abrechnen. 2011 gegründet, beschäftigt das Start-up inzwischen 110 Mitarbeiter in Berlin und Wien. Das Management geht von einer Bewertung in Höhe von rund 60 Millionen Euro aus.

Wertberichtigung im November

Eine kräftige Finanzspritze gab es zuletzt 2016 mit 20 Millionen Euro, unter anderem von FinTech-Investor Digital+ Partners, dem Handelskonzern Metro und Finanzdienstleister Concardis aus Eschborn. Aufgrund anhaltender Verluste korrigierte Concardis jedoch bereits 2017 den Wert seiner Beteiligung um die Hälfte nach unten, berichtete im November das Infoportal Finanz-Szene.de.

Mit der neuen Finanzierung will sich das Start-up nun für die Zukunft rüsten und weitere Geschäftsfelder erschließen: Orderbird arbeitet an Konzepten für eine eigene Bank, um der Gastronomie künftig auch Finanzdienste anbieten zu können – zum Beispiel Kleinstkredite oder ein auf die Branche zugeschnittenes Bankkonto.

Auch personell verändert sich das Berliner Start-up: Co-Geschäftsführer Mark Schoen steigt zum Vorsitzenden des Vorstandsteams auf. Neuer Chefaufseher des börsennotierten Unternehmens wird Oliver Kaltner, ehemaliger CEO von Vectron Systems – einem Anbieter von Kassensoftware aus Münster. Zuvor war Kaltner Geschäftsführer beim Kamerahersteller Leica. Sein Vorgänger als Aufsichtsratsvorsitzender bei Orderbird, Carlo Kölzer, bleibt weiterhin in dem Gremium.

Starke Wettbewerber in der Hauptstadt

Auf dem Markt für Gastronomie-Services liefern sich Berliner Gründer einen harten Kampf: Gastrofix entwickelt als Anbieter von Kassensystemen auch Anwendungen für die Zeiterfassung von Servicekräften. 2017 sicherte sich das Start-up 15 Millionen Euro in einer Wachstumsfinanzierungsrunde, unter anderem von der Brauereigruppe Radeberger. Wie Orderbird setzt auch Tillhub auf das iPad als digitale Kasse. Vier Millionen Euro steckten Investoren im vergangenen April in das Unternehmen. Der Münchener Wettbewerber Orda  digitalisiert den Bestellvorgang in Restaurants und konnte damit im Oktober ebenfalls mehr als eine Million Euro einwerben.