Der teilstaatliche Frühphaseninvestor hat sich am britischen Unternehmen beteiligt. Orbex entwickelt Trägerrakten für kleine Satelliten.

Erstmals in seiner Geschichte hat der High-Tech Gründerfonds (HTGF) in ein Raumfahrtunternehmen investiert. Wie der teilstaatliche Frühphaseninvestor heute bekanntgegeben hat, ist der HTGF bei Orbex eingestiegen. Das 2015 gegründete Start-up arbeitet an einer Trägerrakete, die Kleinsatelliten von Europa aus in niedrige Erdumlaufbahnen katapultieren soll. Das Volumen der Finanzierungsrunde lag bei über einer Millionen Euro, präzisiert Investment Manager Yann Fiebig auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Der Deal sei bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen worden.

Ungewöhnlich an dem Investment ist neben der Branche die Tatsache, dass Orbex ein britisches Unternehmen ist. Beim HTGF stehen Investments in junge Technologieunternehmen aus Deutschland im Fokus. Nur selten unterstützt der Investor Start-ups aus anderen europäischen Ländern. „Orbex arbeitet mit vielen Partnern aus Deutschland zusammen“, sagt Fiebig. Zudem unterhalte das Unternehmen hier einen Betriebsstandort. Zum genauen Ort und zur Mitarbeiterzahl dürfe man derzeit keine Angaben machen. Hauptsitz des Unternehmens ist London. Einen weiteren Standort gibt es in Dänemark.

Orbex hatte sich Ende Mai bei einem Investorentreffen des HTGF vorgestellt. Die Trägerrakete soll dank neuer Technologien genügsam sein, was den Treibstoffverbrauch angeht. Zu den Eigenentwicklungen gehören unter anderem die Triebwerke, die Bordelektronik, das Leitsystem und die Software. „Wir wollen nicht einfach nur eine Trägerrakete bauen“, sagt Chris Larmour, CEO von Orbex. Ziel sei es, Kleinsatelliten zu Fixpreisen in die Erdumlaufbahn zu transportieren. Als Kunden kämen Unternehmen, Regierungen und Forschungseinrichtungen in Frage.

Gefördert von Raumfahrtbehörden

Zu bisherigen Geldgebern von Orbex gehören weitere, nicht namentlich genannte Wagniskapitalgeber und private Investoren. Das Unternehmen ist außerdem Teilnehmer des EU-Förderprograms Horizon 2020 und wird von nationalen Raumfahrtbehörden unterstützt. „Dank der ausgewiesenen Kompetenz der Gründer konnte Orbex in den vergangenen 18 Monaten seine Technologien und sein Geschäftsmodell rasant weiterentwickeln”, sagt Fiebig.

Den HTGF gibt es seit 2005. Er hat seither  über 450 Start-ups unterstützt. Zuletzt wurde ein dritter Fonds aufgelegt, der ein Zielvolumen von 300 Millionen Euro hat. Bis Ende Mai kamen 245 Millionen Euro zusammen. Beteiligt sind neben staatlichen Instituten wie dem Bundeswirtschaftsministerium und der Förderbank KfW 26 Unternehmen ­– darunter die Dax-Konzerne BASF und Deutsche Post.

Der Einstieg bei Orbex ist noch aus Mitteln des zweiten Fonds erfolgt, so Fiebig. Der jüngste Fonds soll erst ab Herbst investieren – in bis zu 40 Start-ups jährlich. Erweitert worden ist auch der Fokus: Finanziert werden können künftig Untenrehmen, die bis zu drei Jahre alt sind. Vorher lag die Grenze bei nur einem Jahr.