Im Kampf um den Brillenmarkt sammelt Brillen.de auf einen Schlag 45 Millionen Euro ein Das Start-up setzt auf einen anderen Ansatz als Mr. Spex & Co.

Es ist eine der größten Finanzierungsrunden des Jahres: 45 Millionen Euro erhält die SuperVista AG für ihre Marke Brillen.de. Das 2012 gegründete und profitabel arbeitende Start-up war bislang weitgehend selbst finanziert. „Wir haben den Schritt so lange wie möglich herausgezögert“, sagt Unternehmenschef Matthias Kamppeter. Er wollte die Anteile möglichst wenig verwässern und war auch sonst recht wählerisch. „Ich wollte nicht zu viele Parteien dabei haben“, sagt Kamppeter. Das ist ihm nun gelungen: Das Geld stammt komplett vom US-Wagniskapitalgeber Technology Crossover Ventures (TCV), der auch schon in Netflix, Expedia oder Facebook investiert hat.

Das spricht für den Erfolg des Start-ups, tatsächlich ist Brillen.de stark gewachsen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 30 Millionen Euro, nach 10 Millionen im Jahr 2014. „Wir wollen weiter linear wachsen“, sagt Kamppeter. Vom Online-Optiker Mr. Spex ist er damit jedoch deutlich entfernt. Das größte deutsche Brillen-Start-up erzielte bereits 2014 einen Umsatz von 65 Millionen Euro und hatte für das Vorjahr die 100-Millionen-Marke angepeilt.

Allerdings unterscheiden sich die Geschäfts-Modelle deutlich. Mr.Spex ist primär ein Online-Händler, der mit Optikern kooperiert, wo die Kunden Sehtests oder Anpassungen durchführen können. Brillen.de setzt dagegen viel stärker auf die Optiker vor Ort. „Man kann Brillen nicht nur online verkaufen, sondern man muss sie probieren“, sagt Kamppeter, „wir verschicken daher auch keine Brillen nach Hause.“ Kunden können sich im Netz informieren, bestellen und werden dann jedoch an einen Partneroptiker vermittelt.

Brillen.de expandiert nach Italien und Dänemark

Noch ein Unterschied: Während Mr. Spex Markenbrillen günstiger anbietet, setzt Brillen.de ganz auf Eigenmarken. „Wir lassen den Optikern das Exklusivgeschäft“, sagt Kamppeter. Dafür bietet er ihnen eine günstige Alternative als Zusatzoption. Vor allem kleinen, unabhängigen Optikern, die zwischen Online-Anbietern und den großen Ketten unter Druck geraten, bietet sich Brillen.de so als Partner an. Kamppeter stammt selbst aus einer Augenarztfamilie und leitete mit seiner Frau vor der Firmengründung ein Netz von 20 Optikergeschäften.

Bislang arbeitet das Start-up mit 570 Optikern in Deutschland zusammen. Mit dem Kapital soll nun das Netz ausgebaut werden. Brillen.de will die „weißen Flecken“ in Deutschland beseitigen, so kann das Unternehmen in Bayern und Ostdeutschland seine Kunden noch nicht wie gewünscht bedienen. Zudem soll die Auslandsexpansion vorangetrieben werden. „Wir haben gerade in England begonnen und fangen in Kürze auch in Italien und Dänemark an“, sagt Kamppeter.

Auch andere Online-Optiker forcieren das Auslandsgeschäft. So hat Brille24 gerade den slowakischen Wettbewerber Curlys übernommen und baut so sein Geschäft in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei aus. Für Brillen.de sind Übernahmen jedoch kein Thema: Durch den Hybrid-Ansatz gebe es keine geeigneten Ziele.