Auf Plakatwänden, Straßenbahnen:  Um schneller bekannt zu werden, setzen Start-ups auf altbackene Werbemittel statt auf Online-Marketing.

Die Haare rot gefärbt, die ­Augenlider gelb, die Lippen rot geschminkt, die Nägel rot lackiert, zwei Gurkenscheiben in den Händen: Die Frau ist ein Hingucker – überlebensgroß prangt ihr stilisiertes Konterfei seit Mitte März auf ­einer Tram mitten in Berlin, die täglich wechselnd auf drei verschiedenen Linien im Einsatz ist. „Friseur, Beauty & Wellness – alle Termine in deiner Nähe“, steht in ­großen Lettern flächendeckend auf dem bunten Straßenbahnwagen. „Jetzt online buchen.“

Ein Blickfänger, die Werbung für Salonmeister. Das Berliner Start-up verkauft Software an Friseure und Schönheitssalons, mit der diese ihre Termine zum Haareschneiden, zur Fuß-, Hand- oder Gesichtspflege verwalten und per Mausklick vergeben können. 5000 Salons stehen schon zur Auswahl. Was Booking.com oder HRS für Hotelzimmer schon ist, will Salonmeister für Friseure und andere Schönheitsdienstleistungen werden. Und dabei die Kunden dazu bringen, ihre Termine ­direkt auf salonmeister.de zu vereinbaren.

Damit das klappt, lässt das junge Unternehmen nun ein Jahr lang die bunt beklebte Bahn durch Berlin fahren – für gerade mal 25 000 Euro. Außerdem weisen in U- und S-Bahnen kleine Werbebanner auf das Start-up hin. „Je größer die Verweildauer, desto höher die Chance, dass die Leute das Handy zücken und unsere App laden“, sagt Salonmeister-Gründer Louis Pfitzner. Dazukommen 200 Großplakate, die in den Straßen der Hauptstadt hängen. In den nächsten Wochen wird die Kampagne auf Hamburg, München und das Rheinland ausgedehnt.

Denn sie funktioniert: Die Zahl der Leute, die Salonmeister aufrufen, liegt im sechsstelligen Bereich und hat sich seit dem Start der Werbeaktion mehr als verdoppelt. Dabei hat das Start-up nicht ganz freiwillig auf die scheinbar altbackene Analog-Werbung gesetzt. Normalerweise schalten neue Online-Dienste Anzeigen bei Google. Dummerweise sucht nur kaum jemand im Internet nach Friseurterminen. „Man muss die Leute erst darauf hinweisen, dass man online Friseure buchen kann“, sagt Pfitzner.